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Sabine Spitz

Sabine Spitz in den Alpen

Sabine Spitz

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Sabine Spitz in den Alpen

Sabine Spitz

Sabine Spitz

Sabine Spitz im Duell mit Alison Sydor

Sabine Spitz gewinnt in Gränichen

Sabine Spitz im Ziel

Siegerin Sabine Spitz

Sabine Spitz

Sabine Spitz auf dem Weg zum Sieg

Erster Saisonsieg für Sabine Spitz

Blick auf Olympia - Sabine Spitz im Interview

bike2b-Redaktion am 04.08.2004 - 17:20 Uhr

Die amtierende Weltmeisterin Sabine Spitz (Fusion Pro Team) wird in diesem Jahr bereits zum zweiten Mal bei Olympischen Spielen in der Disziplin Cross Country an den Start gehen. Bei der EM in Polen am 1. August 2004 gewann sie Bronze und jetzt stehen die letzten Vorbereitungen für Olympia auf dem Plan. Bike2b erzählte die Olympionikin in einem Interview, wie das Training für Olympia aussah und inwiefern die Rennen in dieser Saison zum Formaufbau beigetragen haben.

bike2b: Hallo Sabine, herzlichen Glückwunsch erst einmal zu EM-Bronze in Polen! Wie hast Du den Rennverlauf erlebt? Hat Dich der Gewinn der EM-Bronzemedaille in Polen gerade vor dem Hintergrund der zuvor absolvierten Transalp überrascht?
Sabine Spitz: Dankeschön! Vom Ergebnis bei der EM war ich sehr überrascht. Ich hätte nicht gedacht, in Polen Edelmetall holen zu können. Wenn man bedenkt, dass eigentlich der EM-Start gar nicht vorgesehen war, war die Medaille deutlich mehr, als man erwarten durfte, zumal fast die gesamte europäische Elite anwesend war. Ich war schon noch etwas müde von der Transalp. Für mich war einfach wichtig ein international gut besetztes Rennen zu fahren, da ich über sehr wenig Rennkilometer in diesem Jahr verfüge. Die Prognose vom Bundestrainer war auch, dass ich aufgrund der Transalp sehr gut über die Distanz kommen würde, aber Probleme hätte bei den Spitzenbelastungen. So war es dann auch mehr oder weniger.
Gerade in der Anfangsphase hatte ich große Schwierigkeiten das Tempo mitzugehen. Aber ich sagte mir, du musst dranbleiben und habe die Zähne zusammengebissen. Ab Ende der zweiten Runde ging es dann besser – vielleicht auch, weil die anderen langsamer wurden – und ich schaffte den Anschluss an das vor mir fahrende Duo mit Kraft und Wlosczcowska, wo es um Silber und Bronze ging. In Runde drei wollte ich dann versuchen mich abzusetzen, was aber gar nicht funktioniert hat. Im Gegenteil, die Polin attackierte auf Anweisung eines polnischen Betreuers, ohne dass ich zu dem Zeitpunkt reagieren konnte. So entstand schnell eine Lücke von gut 20 Sekunden, die ich bis ins Ziel nicht mehr schließen konnte. Der Kurs rund um das Schloss war mit seinen extrem steilen Anstiegen sehr kräftezehrend.

bike2b: Wie bewertest Du diese Medaille auch mit Blick auf die Olympia-Herausforderung in den kommenden Wochen?
Sabine Spitz: Das ist für mich ein sehr wichtiges Signal. Bisher war ich in diesem Jahr noch ohne international zählbares Resultate. Deshalb macht mir die Medaille unheimlich viel Mut für die bevorstehende Olympischen Spiele. Ich habe gezeigt, dass ich es noch nicht ganz verlernt habe. Es ist ja fast wie ein kleines Comeback nach den mehr als bescheidenen Weltcups. Sicher werden alle, was die Form angeht bis zum Olympiarennen nochmals zulegen, aber ich habe für mich jetzt die Bestätigung, auf einem guten Weg zu sein.

bike2b: Um nochmals auf die Transalp Challenge zu kommen, bei der Du gemeinsam mit Deinem Ehemann Ralf im Mixed-Team teilgenommen hast. Wie habt Ihr die Alpenüberquerung erlebt? Was hat es Dir für Olympia gebracht?
Sabine Spitz: (lächelt) Wenn man die Teams, die sich mit der Hundeleine gegenseitig abschleppen, außen vor lässt, hätten wir die Mixed Wertung sogar gewinnen können. Nein im Ernst, wir sind Zweite geworden, was aber mehr als ok war. Es waren schon sehr harte acht Etappen. Die Belastung mit den vielen Höhenmetern ist einfach da, egal welches Tempo man fährt. Sich jeden Tag auf's Neue zu motivieren, um 8:00 Uhr morgens am Start zu stehen und die nächsten 10 bis 20 km den Berg, mit meist deutlich mehr als 1000 hm in Angriff zu nehmen, ist über den langen Zeitraum schon nicht ganz einfach. Aber genau das war ja der Grund der Teilnahme. Zum Glück war das Wetter gut.
Was es mir für Olympia bringt oder gebracht hat, kann man jetzt noch nicht sagen. Aber ich denke, dass man nach dem letzten Wochenende bei der EM schon sagen kann, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

bike2b: Wie ist es Euch während der Transalp ergangen, die ja als eines der härtesten MTB-Etappenrennen gilt? Wie habt Ihr die Tortur durch die Alpen überstanden?
Sabine Spitz: Beim Start der Transalp befand ich mich mit meiner Form noch im Aufbau. Dass es diesbezüglich noch kleinere Defizite gab, beunruhigte mich dabei nicht sonderlich und war ja ein wesentlicher Grund die Alpenüberquerung überhaupt zu fahren. Insofern verstand ich sie als einen Mosaikbaustein in der langen Vorbereitung auf Athen. Meine hundertprozentige Top-Form muss ich erst in drei Wochen haben. Zum jetzigen Zeitpunkt liege ich mit dem Formstand eigentlich im Soll, wie ich auch bei der EM unter Beweis stellen konnte.
Ob die Transalp allerdings das härteste Rennen ist, weiss ich nicht. Die Eckdaten von Länge und Höhenmetern sind zwar heftig und lassen bei mir erheblichen Respekt aufkommen, aber unter rennsportlichen Aspekten wird für mich ein Rennen erst durch die Geschwindigkeit, die gefahren wird, bzw. die Gegner schwer. Dadurch, dass die Transalp im Moment wohl eher für ambitionierte Hobbymountainbiker konzipiert ist und somit nur wenige Topfahrer am Start sind, werden die Etappen auch nicht so brutal gefahren. Da ist sicher jedes Weltcup-Rennen deutlich härter.

bike2b: Stichwort Weltcups, Deine Saison verlief bis zum Weltcup in Madrid nach Maß. Dann warf Dich kurz vor der Veranstaltung ein Infekt aus der Bahn. Zu den wichtigen Rennen wie der DM Marathon und der DM Einzelzeitfahren warst Du aber wieder voll da. Mit anderen Worten, Du hast bislang vergleichsweise wenige, dafür aber wichtige Rennen gefahren. Gehört das zum Konzept Deiner Olympiavorbereitung oder ist es ungewollte Folge der Erkrankung?
Sabine Spitz: Nein, das war so nicht beabsichtigt. Meine Strategie war eigentlich, dass ich in der ersten Saisonhälfte gute Weltcup-Ergebnisse fahre. Der Auftakt in Münsingen und das Abschneiden bei der Deutschen Meisterschaft, bei der ich mich sehr gut gefühlt habe und ich wohl eine recht gute Form hatte, waren vielversprechend. Mit entsprechend großer Erwartungshaltung fuhr ich so nach Madrid zum ersten Weltcup. Dann kam völlig unerwartet der Infekt, der mich zwang, frühzeitig nach Hause zu fahren. Trotz knapp einwöchiger Zwangspause fuhr ich dann guten Mutes nach Houffalize, wo das Rennen zwar auch gut begann, ich aber wegen eines Schaltwerkdefektes aufgeben musste und so wieder ohne Weltcup-Punkte nach Hause fuhr. Solche Momente zehren mental erheblich. Für den dritten Weltcup in Fort William war ich dann zwar trotzdem guter Dinge, hatte aber damit zu kämpfen, dass ich wegen der Weltcup-Platzierung am Start sehr weit hinten stand. Das ist auf einer Strecke wie der in Schottland besonders schwierig, da gerade in der Anfangsphase nicht so einfach zu überholen ist. Ich habe es mit Erfolg trotzdem versucht, was aber dann soviel Kraft gekostet hatte, dass am Ende keine Topplatzierung mehr möglich war . Damit war dann für mich klar, dass der Weltcup in diesem Jahr verpatzt ist und eine weiter Teilnahme keinen Sinn mehr macht. Jetzt habe ich sicher das Manko, dass ich nur wenige realistische Vergleiche zur internationalen Konkurrenz habe. Somit fehlt mir in dieser wichtigen Saison ein wenig die Standortbestimmung. Kurz gesagt, der folgenschwere Infekt erwischte mich zum schlechtestmöglichen Zeitpunkt der Saison.

bike2b: Wenn Dir durch das Verpassen wichtiger internationaler Rennen Rennpraxis und der Vergleichsmaßstab fehlt, wirst Du doch sicherlich Dein Hauptaugenmerk auf solide Trainingsmaßnahmen gelenkt haben? Wie sah die Vorbereitung in dieser Hinsicht bislang aus?
Sabine Spitz: Ja klar, nach den ersten drei Weltcups und der DM Einzelzeitfahren musste erst einmal ein neuer Formaufbau erfolgen. Den detaillierten Trainingsplan entwarf Bundestrainer Frank Brückner für mich. Jetzt begebe ich mich ins Trainingslager nach Vogtsburg/Freiburg, um an der unmittelbaren Wettkampfform zu feilen, was vor allem kürzere, aber intensiverer Einheiten bedeutet. Dabei dient mir die zuvor erworbene Ausdauer als Grundlage. Seit Ende Juni befand ich mich in einer Phase, in der die Grundlagen geschaffen werden sollten und die mit Ende der Transalp abgeschlossen war. Eine weitere ganz wichtige Rolle in der Vorbereitungszeit spielt natürlich auch mein Ehemann Ralf, mit dem ich gemeinsam regelmäßig trainiere.

bike2b: Ein letzter Rückblick auf die Alpenüberquerung. Was hat Dir die Teilnahme eigentlich bedeutet? Soweit ich weiß, war es die erste Teilnahme.
Sabine Spitz: Ja, die Transalp war für mich eine Premiere. Neben dem Umstand, dass die Teilnahme an ihr in mein derzeitiges Training optimal passt, war es für mich einfach reizvoll, mit dem Mountainbike einmal über die Alpen zu fahren. Natürlich hätte ich dazu im Grunde genommen keine organisierte Veranstaltung benötigt. Dadurch, dass die Etappen vorgegeben waren und man mit ambitionierten Bikern fährt, besteht aber im Gegensatz zur Alleinüberquerung ein größerer Anreiz mit höherem Tempo zu fahren. Insgesamt bestehen in der Gruppe mehr leistungsfördernde Anreize. Da ich den sportlichen Wert für einen Leistungssportler bei dem Event, so wie es jetzt konzipiert ist, aber insgesamt für fragwürdig halte, sah ich die Teilnahme nicht als einen eigentlich sportlichen Wettkampf, sondern als Mittel zum Zweck meiner individuellen Olympiavorbereitung. Welche Platzierung wir am Ende erreicht haben, spielt dabei für mich eigentlich keine entscheidende Rolle.

bike2b: Im Gegensatz zur Transalp-Premiere wirst Du in Athen bereits das zweite Mal bei Olympischen Spielen am Start stehen. Gab es bei der Vorbereitung auf die Spiele in Sydney 2000 Fehler oder Versäumnisse, aus denen Du bei der diesjährigen Vorbereitung gelernt hast? Machst Du diesmal etwas grundlegend anders?
Sabine Spitz: Nein, bei meiner ersten Teilnahme an den letzten Olympischen Spielen erreichte ich Platz neun und es verlief damit eigentlich optimal. Für mich war damals die Teilnahme ein Riesenerfolg und die Erfüllung eines sportlichen Traums. Ich erinnere mich gut daran, wie ich beim letzten zählenden Weltcup gerade noch als 15. die Olympianorm schaffte. Außer meinem damaligen Trainer Toni Ücker (Rheinfelden) hatte mir kaum jemand zugetraut, einen der zwei Startplätze zu ergattern. Erst in der Folgezeit gelang mir dann der Anschluss an die Weltspitze. Ich denke, dass sich seit 2001 natürlich der Fokus verändert hat, wobei schon in Sydney die Vision 'Medaille' bei den nächsten Olympischen Spielen geboren wurde. In den letzten drei Jahren bin ich bei Weltmeisterschaften immer in den Medaillenrängen mitgefahren. Dementsprechend sind seitdem natürlich auch die Ansprüche andere geworden. Stand mein Olympiaauftritt 2000 noch unter dem Motto 'Dabeisein ist alles', ist 2004 eine Medaille die klare Zielsetzung. Dementsprechend gehe ich in diesem Jahr anders vorbereitet – eben professioneller - in das Rennen.

bike2b: Wie präsent ist das Thema Olympia in diesen Tagen? Ist es das alles beherrschende Thema für Dich?
Sabine Spitz: Klar ist, dass mir das Thema sehr ernst ist und irgendwo auch immer präsent. Wenn man akribisch auf ein Ziel hinarbeitet, hat man es natürlich immer vor Augen. Durch das gestiegene Medieninteresse als Weltmeisterin wird man auch ständig mit dem Thema konfrontiert. Dennoch ist es für mich nicht im negativen Sinn präsent, als dass ich mich unter Druck gesetzt fühlen würde. Insofern bin ich inzwischen Profi genug, sodass ich bei meinen Gedanken an Olympia nichts anderes als den Wettkampf als solchen vor Auge habe. Und darauf freue ich mich.

bike2b: Vor ein paar Wochen wurdest Du ja sehr eindringlich mit dem Thema konfrontiert, als Du bei der Einkleidung der Olympioniken warst. Welche Gedanken gingen Dir dabei durch den Kopf?
Sabine Spitz: Das war ganz sicher ein Moment, in dem man schon einmal die Gedanken schweifen lässt und Olympia greifbar wird. Das Aushändigen der Kleidung hatte für mich ein spezielles Flair. Wenn man die Sachen in den Händen hält, denkt man zwangsläufig an das Olympische Dorf, die anderen Athleten, das ganze drum herum und natürlich das eigene Rennen.

bike2b: Du warst ja mittlerweile schon zweimal zu Trainingszwecken auf der Olympiastrecke. Wie ist Dein Eindruck? Sabine Spitz: Dazu muss ich erst einmal etwas Grundsätzliches sagen. Für mich besteht der Mountainbike-Sport aus zwei wesentlichen Komponenten. Das ist zum einen der Bereich Kraft bzw. Ausdauer und zum anderen der technische Aspekt. Nach meinen bisherigen Eindrücken kommt auf der Olympia-Strecke der zweite Gesichtspunkt eindeutig zu kurz. Vor dem Hintergrund der Bedeutung der Veranstaltung und der mit der medialen Reichweite, die meinem Sport an diesem Tag zukommt, bin ich schon ein wenig von den örtlichen Gegebenheiten enttäuscht. Unter diesem Gesichtspunkt ist die Strecke der WM von Lugano für mich vorbildlich. Die Strecke in Athen hingegen ist sechs Kilometer lang und wird durch drei Anstiege geprägt, wobei der erste durch ein Flachstück in der Mitte gekennzeichnet ist, die beiden anderen hingegen etwas länger sind. Der Parcours ist in meinen Augen eine reine Konditionsstrecke, ähnlich wie wir sie aus Sundern-Hagen kennen. Ich vermute, dass mich auf ihr Ende August ein Rennen erwartet, in dem nicht groß taktiert werden wird. Die Stärksten werden sich zu Beginn des Rennens vorne einreihen und daran wird sich bis ins Ziel auch kaum etwas ändern. Daneben werden aber sicher auch die Hitze, der Staub und die Luft limitierende Faktoren sein. Ich stelle mich auf ein extrem hartes Rennen ein.

bike2b: Welche Deiner Konkurrentinnen schätzt Du als ernst zu nehmende Gegnerin ein?
Sabine Spitz: Ernst zu nehmende Gegnerinnen sind eigentlich alle bei den Olympischen Spielen! Wobei von den insgesamt 30 Starterinnen, gut 15 für eine Medaille in Frage kommen dürften. Die bisherige Saison hat natürlich klar gezeigt, dass es Gunn-Rita Dahle ist, die es zu schlagen gilt, wenn es um Gold geht. Wobei das gemessen an den bisherigen Ergebnissen fast unmöglich erscheint. Allerdings hat die letzte WM bewiesen, dass auch sie nicht unschlagbar ist. Des weiteren rechne ich mit einer starken Marga Fullana, der die Hitze in Griechenland entgegen kommen dürfte und die in technisch einfachen Anstiegen sehr schnell ist. Aber auch mit Paola Pezzo, als zweifacher Olympiasiegerin und Barabara Blatter muss man rechnen. Dazu kommt die Niederländerin Vink und die Kanadierin Premont, wobei vor allem Vink die wenig technische Strecke liegen dürfte. Auch Alison Sydor und Irina Kalentieva haben schon gezeigt, dass sie in diesem Jahr in Topform sind. Allerdings hätten wohl beide – ebenso wie ich – einen etwas technischeren Kurs bevorzugt.

bike2b: Sabine, wir danken Dir für das Gespräch und werden Dir gemeinsam mit dem Rest der Mountainbike-Nation am 27. August die Daumen drücken.


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