
Lesotho

Tills Muskel

Tills Speck
Tills Trans-Germany-Tagebuch
Till Gottbrath am 06.06.2007 - 11:57 Uhr
So langsam werde ich doch unruhig. Das muss ich zugeben. Im Geiste habe ich schon eine Packliste geschrieben. Meinem Bike sollte ich noch ein paar neue Reifen gönnen (am besten den "Racing Ralph" von
Schwalbe, denn der bot im Test bei "Bike" einen so wunderbaren Kompromiss aus Pannensicherheit und niedrigem Rollwiderstand). Und soll ich noch Lenkerhörnchen montieren? Sie ermöglichen auf den teils elend langen Etappen eine zweite Griffposition, aber sie wiegen halt auch mehr. Hmmm? Und Gesäßcreme brauche ich auch noch. Holger hat mir aber am gerade gesagt, er habe vier verschiedene Sorten zur Auswahl und er könne mich problemlos mit "verarschen".
Erfolg heißt Schaffen
Bislang war ich – und das überraschte mich selbst – ziemlich entspannt. Auch wenn ich noch nie an einem Etappenradrennen teilgenommen habe, schon gar nicht an einem so langen, und auch keiner dieser asketischen Kilometerfresser bin, so vertraue ich doch auf eine gesunde Basis an Ausdauer. Mit meiner Freundin habe ich zweimal erfolgreich am Transalpine Run teilgenommen (mit Erfolg meine ich: wir haben es geschafft). Und auf diversen Expeditionen in Grönland, Patagonien und auf hohe Berge habe ich ein gutes Gefühl dafür entwickelt, mit meinen Kräften Haus zu halten. Mein Körpergefühl ist gut, ich weiß, wie viel Sprit noch im Tank ist...
Kurz vor dem Start kommen Zweifel auf
Aber jetzt beschleichen mich hier und da Zweifel? Habe ich genug getankt, will heißen trainiert? Im März waren wir mit den Mountainbikes auf Abenteuertour in Lesotho und Südafrika unterwegs. Das war zwar kein Trainingslager im klassischen Sinn, aber es brachte einfach Zeit im Sattel, und es ging bis auf 3.250 Meter rauf. Danach hingegen war ich manchmal etwas faul. Und bei Regen geht meine Trainingsselbstdisziplin im wahrsten Sinne des Wortes baden... Ich würde sagen: meine Beine sind ganz gut, aber fünf Kilo weniger Speck auf den Rippen wären nicht schlecht. Immerhin bin ich in der Lage, 2.000 Höhenmeter zu radeln, ohne dass mir die Beine platzen oder dass ich Ewigkeiten für die Regenration brauche. Mein sportliches Ziel deshalb klar formuliert: Ich will es schaffen und hoffe so fit zu sein, dass ich mich dafür nicht quälen muss. Holger, glaube ich, trainiert mehr und ist vor allem eher ein richtiger Biker. Radfahren ist beim ihm im Sommer die Nummer eins, bei mir eine Aktivität unter vielen. Diese Woche ist er außerdem auf Mallorca, um sich den finalen Schliff zu holen. Überhaupt habe ich Bedenken, dass er schneller ist. Dies als solches würde mir nichts ausmachen. Aber es würde mich sehr stören, wenn er sich durch mich gebremst fühlte. Ich schätze ihn ehrgeiziger ein als mich. Aber ich habe ihn darauf angesprochen und er versprach mir nicht sauer zu sein... Hoffen wir mal, dass das alles gut geht in unserem Team.
Keine Heldentaten zu erwarten
Sicher ist jedenfalls schon eines: In meinem Trans-Germany-Tagebuch werdet hier nichts vom Gewinnen lesen, von Heldentaten oder von vorderen Platzierungen. Dazu bin ich zu schlecht, zu trainingsfaul und zu dick. Trotzdem bin ich mir ziemlich sicher, dass mir die
Craft Bike Trans Germany richtig Spaß machen wird.
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