
Friedemann Schmude

Friedmannn Schmude

Team Bulls

Sahm und Platt

Sahm und Platt
Interview mit Friedemann Schmude
bike2b-Redaktion am 26.06.2007 - 10:25 Uhr
Friedemann Schmude ist seit dieser Saison Teammanager des neuen Bulls-Team mit den Fahrern Karl Platt und Stefan Sahm. Gemeinsam konnten sie bereits einige Erfolge feiern wie zum Beispiel den Sieg bei der Trans Germany. Im Interview mit bike2b erläutert Schmude seine Aufgaben und nimmt auch Stellung zum Thema Doping.
bike2b.com: Friedemann, du bist seit diesem Jahr Teammanager des neuen Bulls-Team. Wie ist es dazu gekommen?
Friedemann Schmude: Das ist keine so lange Geschichte. Mit Karl und Stefan, vor allem mit Karl, bin ich in den letzten Jahren viel auf den Rennen unterwegs gewesen – da allerdings noch selber als Fahrer. Für mich hätte in nicht allzuferner Zeit sowiese die Entscheidung angestanden, ob und wie ich den Sport weitermachen kann. Mit meinem Studium bin ich fast fertig, damit hätte der Einstieg ins Berufsleben sowieso nicht mehr lange auf sich warten lassen.
Zu einem Profiteam gehören eben nicht nur die Fahrer, und als die Sache mit Karl und Stefan als Team Bulls unter Dach und Fach war blieb die Frage, wer das ganze in Zukunft organisiert und koordiniert – da ist die Wahl seitens der Fahrer und Bulls dann recht bald auf mich gefallen. Und bisher läuft es recht ordentlich würde ich sagen. Das Feedback von allen Seiten ist durchweg positiv und die Ergebnisse stimmen ja auch.
bike2b: Wo liegen genau deine Aufgaben?
Friedemann: Primär bin ich für die Organisation des Rennbetriebes und alles was damit zusammenhängt zuständig. Also alle Buchungen und Meldungen, die Koordination mit dem BDR, sowie die Teampräsentation und Betreuung auf den Rennen sind mein Job. Ich bin überall dabei, wo Karl und Stefan am Start sind. Dazu kommt der Kontakt mit Bulls, den Sponsoren und der Presse und alles was sonst noch so anfällt. Ein sehr breites Betätigungsfeld, weiter als ich erwartet habe – eine tolle Aufgabe!
bike2b: Im letzten Jahr hast du selber noch in die Pedale getreten. Vermisst du den aktiven Sport manchmal?
Friedemann: Als die Entscheidung, den aktiven Rennsport an den Nagel zu hängen, endgültig wurde hat mir das schon erstmal zu schaffen gemacht. In den letzten 12 Jahren hat sich für mich schließlich alles ums Rennen fahren gedreht. Das hat sich aber recht bald gewandelt, es dreht sich ja immer noch alles um den Rennsport – nur dass ich jetzt nicht mehr selber fahre sonden fahren lasse. Ab und zu, wenn ich mir Bilder oder Videos von Rennen ansehe, juckt es mich allerdings schon immer mal wieder. Auf den Rennen selber, da wo ich am ehesten erwartet hätte das es weh tut, ist immer viel zu viel zu tun, um den aktiven Sport zu vermissen, das ist schon ok so. Jedenfalls bereue ich die Entscheidung auf keinen Fall. Die Arbeit macht viel zu viel Spaß.
bike2b: Das Bulls-Team hatte einen Einstand nach Maß. Erst gewannen Stefan Sahm und Karl Platt das Cape Epic und auch danach machten sie mit Erfolgen wie in Willingen auf sich aufmerksam. Auch die Premiere der Trans Germany gewannen die beiden überlegen. Hättet ihr mit einem solchen Erfolg gleich zu Beginn gerechnet?
Friedemann: Das Cape Epic war eigentlich als Vorbereitung gedacht. Als wir die Startliste gesehen haben waren die Top 5 das Ziel, an den Gesamtsieg hat da keiner gedacht. Als wir die erste Etappe gewonnen haben war der Trip schon ein voller Erfolg für uns, und was dann folgte war einfach sensationell und hat dem gesamten Team nochmal einen riesen Schub für die Saison gegeben. Dass wir bei den Marathons Akzente setzen wollen und können war schon geplant, aber auch in der Bundesliga und im Weltcup lief es richtig gut, man denke z.B. an Münsingen oder Houffalize.
Das es insgesamt so gut läuft hätte wohl keiner gedacht, wirklich planen kann man sowas eh nicht. Sagen wir mal so: alle Beteiligten geben ihr Bestes für das Team und das zahlt sich aus.
bike2b: Wie verlief die Trans Germany? Viele Athleten sagten sogar sie sei härter gewesen als die Transalp?
Friedemann: Ich selber habe weder das eine noch das andere als Fahrer erlebt. Die Trans Germany war auf jeden Fall ein tolle Sache. Wir sind als klare Favoriten ins Rennen gegangen und der Rolle sind wir voll und ganz gerecht geworden. Vor der ersten Etappe sind alle ein wenig nervös, keiner weiß wirklich was auf ihn zukommt. Nach dem Sieg am ersten Tag hat sich das recht schnell gelegt. Wir wussten dann wo wir stehen und konnten den Rennverlauf zum großen Teil selber bestimmen.
Trotzdem birgt ein Etappenrennen viele Unwägbarkeiten, jede Rundfahrt hat ihre eigenen Gesetze. In acht Tagen kann soviel passieren – von Defekten über den berühmten „jour sans“ bis hin zu Krankheiten. Von all dem sind wir aber glücklicherweise verschont geblieben.
Ob die Trans Germany härter als die Transalp ist? Schwer zu sagen. Ich denke sie ist einfach anders. Bei der Transalp fährt man ein oder zweimal lange hoch, kann seinen Rhythmus fahren. Die Trans Germany hat zwar deutlich weniger Höhenmeter als die Transalp, aber es ist ein ständiges auf und ab, das kann mit der Zeit richtig zermürben.
bike2b: Was macht das Team und das Material aus, dass ihr immer vorne zu finden seid?
Friedemann: Das Material spielt eine wichtige Rolle. Wenn das Rad nicht hält kommst Du nicht ins Ziel bzw. verlierst bei der Reparatur viel Zeit und nicht alles kann man dabei beeinflussen. Materialmäßig sind wir auf jeden Fall in jeder Hinsicht super ausgestattet. Im Team passt einfach alles, es ist ein Vorteil, dass wir drei uns schon einige Jahre gut kennen, das passt einfach. Vieles läuft ohne Absprache, jeder weiß was zu tun ist. Das spart Zeit und Energie. Ich versuche Karl und Stefan in jeder Hinsicht den Rücken frei zu halten. Die beiden sollen sich nur auf das Training und die Rennen konzentrieren können. Wenn dann noch die Stimmung im Team gut ist – und das ist sie bei uns mit Sicherheit – dann haben wir alle Dinge für gute Ergebnisse beisammen.
bike2b: Nach Mont Saint Anne geht es nun in St. Félicien weiter. Wie sind dort die Zielsetzungen des Teams?
Friedemann: Für beide sind die Top 20 das Ziel denke ich. In Houffalize haben wir gesehen, dass dies in jedem Fall drin ist, vielleicht sogar noch etwas mehr. In St Félicien erwarte ich persönlich mehr als in Mont Sainte Anne, denn bis dahin sollte die Trans Germany richtig wirken, bis Mont Sainte Anne war die Zeit ein wenig knapp, zumal die Anreise und die Zeitverschiebung auch Kraft kosten.
bike2b: Um das Thema Doping kommen wir derzeit nicht herum. Der Radsport wurde in den letzten Wochen von zahlreichen Geständnissen erschüttert. Was hältst du davon?
Friedemann: Ich finde es gut, dass alles was da im Verborgenen liegt endlich auf den Tisch kommt. Ich denke die ein oder andere Sache wird auch noch auftauchen. Den Radsport generell zu verdammen finde ich aber falsch, ein Pauschalurteil bringt uns auch nicht weiter. Nicht nur im Radsport sollte etwas geschehen, auch in anderen Sportarten sollte man anfangen aufzuräumen. Ich glaube nicht, dass der Radsport die einzige Sportart ist in der Doping ein Thema ist, egal wie groß oder klein.
bike2b: Nicht nur die Fahrer sondern auch Trainer, Ärzte und Betreuer haben ein flächendeckendes Doping gestanden. Davon ist nicht nur der Radsport sondern auch andere Ausdauersportarten betroffen. Wo glaubst du geht die Entwicklung hin?
Friedemann: Mehr als das was in der Presse berichtet worden ist weiß ich auch nicht. Ich glaube nicht, dass wirklich alle die am Sport beteiligt sind, auch in die Dopingthematik involviert sind. Wie schon gesagt, ich sehe da auf jeden Fall eine gute Entwicklung, alle beteiligten gehen sensibler mit dem Thema um und hoffentlich denken Sportler und Betreuer weiter als bis zum nächsten Rennen, wenn sie vor der Entscheidung für oder gegen unerlaubte Mittel und Methoden stehen und sehen was sie damit anrichten, wie unfair es ist und dass sie mit Doping über kurz oder lang den Sport zerstören.
bike2b: Auch im MTB-Sport gab es den ein oder anderen Dopingfall in der Vergangenheit. Aktuelles Beispiel ist die positive Probe von Ivonne Kraft. Wo glaubst du steht der MTB-Sport in der ganzen Geschichte?
Friedemann: Der MTB-Sport steht bisher recht gut da würde ich sagen. Klar, auch auf dem MTB gab es in den vergangenen Jahren Dopingfälle, von einem 100% sauberen Sport würde ich nicht sprechen. Aber von flächendeckendem Doping kann gewiss keine Rede sein. Es geht auf dem MTB nicht um das große Geld, und wenn ich lese um welche Summen es z.B. bei der Fuentes-Affäre geht, dann passt das schon allein von dieser Seite aus nicht in den MTB-Bereich. Hinzukommt, dass auf dem MTB nicht nur die Beine entscheiden. Was nützt es dir, wenn du zwar den Berg schnell hoch kommst, in technischen Abfahrten aber kein Land siehst. Und wie man die Fahrtechnik mit Medizin verbessert, dass soll mir erstmal einer zeigen...;-)
bike2b: In den vergangenen zwei Jahren sind die Chinesinnen wie aus dem Nichts in die Weltspitze gefahren. Ihre Leistung wird oft kritisch betrachtet. Wie siehst du ihre Entwicklung?
Friedemann: Dass im Rennzirkus neue Fahrer und Fahrerinnen auftauchen ist ja nichts ungewöhnliches, ebenso dass es immer wieder Athleten oder Athletinnen gibt, die es sehr schnell nach ganz oben schaffen. Dass es jetzt die Chinesinnen sind kann viel Gründe haben. China ist ein großes Land, mehr als eine Milliarde Einwohner, das wird es schon das ein oder andere MTB-Talent geben. Und China setzt vor dem Hintergrund der Olympischen Spiele im eigenen Land alles daran, sich selber in allen Sportarten so gut es geht zu präsentieren. Das macht auch vor dem MTB nicht halt. Interessant finde ich, dass es Ihnen nur bei den Frauen gelingt, im Männerbereich fehlen die guten Resultate komplett.
bike2b: Friedemann, vielen Dank für das ausführliche Gespräch und weiterhin viel Erfolg mit dem Team!
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