
Podium Damen

Katrin Schwing

Katrin Schwing

Katrin Schwing

Schwing und Ball

Schwing und Morath

Katrin Schwing

Katrin Schwing
Interview mit Katrin Schwing
bike2b-Redaktion am 26.09.2007 - 08:29 Uhr
In St. Ingbert hat Katrin Schwing die Deutsche Meisterschaft im Marathon gewonnen. bike2b sprach mit der Trek-Bikerin über ihren ersten Meistertitel, ihre "kleine Schwester" und die anstehende Marathon-Europameisterschaft in St. Wendel.
bike2b.de: Hättest du vor der DM damit gerechnet, den Titel zu holen? Mit Sabine Spitz, Nina Göhl und Ivonne Kraft haben ja einige Konkurrentinnen gefehlt.
Katrin Schwing: Also, ich hätte es nicht gedacht, da ich noch etwas müde von dem Weltcup in Maribor und eben der ganzen Reiserei und den Rennen in der letzten Zeit war. Auch meine Beine waren nicht so gut, sie waren langsam und haben weh getan. Auch wusste ich, wie fit Adelheid derzeit ist. Sie war bei der Trans Schwarzwald auch schon sehr stark und das über sieben Tage lang und auch bei der WM in Fort William war sie top-fit. Nina und Ivonne wären dieses Jahr, denke ich, nicht so meine Konkurrentinnen gewesen, da ich schon in den letzten Rennen bewiesen habe, dass ich besser bin als sie - vor allem im Marathon. Bei Sabine weiß ich, dass es auf jeden Fall sehr hart geworden wäre und ich schon davon profitiert habe, dass sie nicht da war. Aber ich weiß heute auch, dass ich am Sonntag wirklich super stark war und nicht oft solche Tage habe. Ich bin eine Top-Zeit gefahren - unter fünf Stunden, das war für mich eine sehr gute Zeit bei der Strecke. Auch mein Freund war nur 22 Minuten schneller als ich und sonst ist der Unterschied bei dieser Länge größer.
bike2b: Für dich ist es der erste DM-Titel. Fühlst du dich nach so vielen Jahren endlich an einem Ziel angekommen?
Katrin: Was heißt Ziel ... Also, ich habe noch einige andere Ziele im Leben! Aber es ist eines meiner großen Ziele gewesen, klaro, endlich... nach so vielen Jahren endlich ein Meistertitel. Das tut schon einmal richtig gut. Ich freue mich total und bin noch zwei Tage danach total happy und so glücklich und stolz.
bike2b: Wie ist das Rennen für dich gelaufen? Adelheid Morath konnte dir ja nicht lange Paroli bieten.
Katrin: Ich habe gewusst, ich muss von Anfang an Gas geben, denn wenn Adel erst mal an meinem Hinterrad klebt, kriege ich sie da nicht so schnell wieder weg. Und an den Steilrampen kann sie mich mit ihrem Fliegengewicht locker überholen und mir wegfahren. Wie kennen uns beide so gut, wir nennen uns nicht umsonst Schwestern. Sie ist die kleine Schwester und ich die große. Wir haben beide schon so viel gemeinsam gemacht und erlebt, wir haben zusammen gekämpft, gelacht, trainiert und geweint. Beide hatten wir 2007 so viele Niederlagen bei der EM und WM. Und wir wussten beide, dass es einen harten Kampf geben wird. Gerade weil wir uns so gut kennen. Also habe ich gleich Gas gegeben und immer Tempo gemacht, bin also volles Risiko gefahren. Ich wollte innerlich keinen Zweikampf mit meiner kleinen Schwester. Auch in den Gruppen, in denen ich dabei war, habe ich immer Tempo gemacht, wenn es zu langsam war. Ich habe auf den Geraden angezogen, auch wenn die Männer mich im Berg dann teilweise kurz abgehängt haben, dann habe ich das Loch
wieder zu gefahren und hatte die Gruppe wieder. Ich bin immer meinen Rhythmus gefahren, egal ob Männer an meinem Hinterrad gelutscht haben oder mir weggesprintet sind, ich bin mein Tempo gefahren und meine Geschwindigkeit und immer auf Zug bis ins Ziel! Ich habe nie aufgehört zu treten, auch nicht als ich verdammte Krämpfe bekommen habe. Ich habe nicht nach hinten geschaut und wollte auch nie wissen, wie weit ich vorne bin, ich wollte ganz alleine mein Rennen fahren. So war das. Ich wollte halt keinen Kampf gegen Adelheid. Eines hatte ich vor allem im Kopf, ich wollte meinem Freund Matthias im Ziel mit dem Sieg in die Arme fallen können, sonst nichts! Und unter fünf Stunden fahren! Das habe ich immer im Kopf gehabt und das habe ich geschafft. Das war mein Ziel!
bike2b: Am Wochenende stehen nun noch die Europameisterschaften im Marathon auf dem Programm? Was hast du dir dafür vorgenommen?
Katrin: Das ist eine sehr spannende Frage... also ich bin bei der WM auf Platz acht gefahren, das bedeutet dann ja Top Fünf mindestens, oder? Also bei mir schon irgendwie. Ich weiß echt nicht, ob ich das schaffe, da ich wirklich schon etwas müde bin. Ich bin sehr viele Rennen diese Saison gefahren und sehr viele Marathons. Jedes Wochenende war ich unterwegs und dann arbeite ich zwischendurch immer noch. Am Montag nach der DM habe ich zum Beispiel von morgens 8.00 Uhr bis abends 23.00 Uhr gearbeitet. Das ist auch der Grund, wieso meine Pressearbeit so langsam ist und immer zu spät, weil ich einfach nicht dazu komme. Ich mache das alles gerne, aber darum klappt es halt nicht immer mit meinen Zielen, da ich immer so viel mache und ein sehr unruhiger Mensch bin. Oft vergesse ich dann mein Hauptziel und erreiche es dann nicht.
bike2b: Mit welchem Gefühl gehst du an den Start, da du ja nun das Deutsche Meistertrikot trägst? Ist es für dich eine Ehre, eine Belastung oder einfach normal?
Katrin: Ich bin so stolz wie ein kleines Kind und so fühle ich mich auch. Es ist eine totale Ehre für mich. Belastung würde ich nicht direkt sagen, aber nervös bin ich eben schon und total aufgeregt, da jetzt so viele Freunde auf mich hoffen und ich will ja das sie sich mit mir wieder freuen können und wir dann eine fette Party machen können. Also ich bin hoch motiviert, habe aber vollen Respekt vor den anderen Mädels, das ist ganz klar!
bike2b: Bei welchen Rennen sehen wir Katrin Schwing in diesem Jahr noch?
bike2b: Oh, das ist auch wieder so was, ich will mal wieder noch viel zu viel fahren. Also erst mal jetzt die EM, klaro, dann vielleicht die Alb-Gold-Trophy in Münsingen/Trochtelfingen und dann noch Roc d'Azur oder in Wasgau und dann auf jeden Fall eine Pause.
bike2b: Im November geht es für dich wie jedes Jahr in die Türkei. Wie lange reist du zum Saisonabschluss schon dorthin und was ist dort so Besonderes, dass du immer wieder dort hinfährst?
bike2b: Ich glaube seit 2003??? Ja, seit 2003! Da ist es zu dieser Zeit so schön ...warm... wenig los wie in 1.000 und einer Nacht. Der Himmel ist so blau und klar. Der Morgen so still und frisch, ja rein. Ach ich weiß nicht, wie ich das Gefühl beschreiben soll, so geheimnisvoll und so frei... Ich kann da eben von der ganzen Saison abschalten und DEM ganzen Stress hier zu Hause, wo alle andauernd etwas von mir wollen und und und ... man ist dort so einsam in der Natur, da ist nichts außer mir ... und der Strecke vom ersten Weltcup-Marathon 2008. Zudem ist es auch nicht so teuer und ich kenne alle schönen und coolen Trails dort! Also wer will noch mit, mit mir in 1.000 und eine Nacht?
(Anm. d. Red.: Mehr zur Reise in die Türkei auf Katrins Homepage)
bike2b: Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg bei der EM!
Katrin: Danke und gerne wieder!
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