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Nina Göhl

Interview mit Nina Göhl

Mario Felgenhauer am 21.09.2004 - 16:22 Uhr

Bei den kürzlich ausgetragenen MTB-Weltmeisterschaften belegte die 21-Jährige aus dem allgäuischen Argenbühl mit Platz acht das zweitbeste Resultat bei den deutschen Damen. Spätestens mit diesen Ergebnis unterstrich sie, dass sie neben Sabine Spitz und Ivonne Kraft verdienter Weise an den Start in Athen gehört hätte. Wir sprachen mit der Vollblut-Sportlerin, die in Kürze ihr Medizin-Studium an der Freiburger Universität aufnimmt, über den Saisonverlauf, die missglückte Olympia-Qualifikation und sowohl sportliche als auch private Ziele.

bike2b: Hallo Nina, Du kommst gerade von der WM aus Les Gets (FRA) zurück. Dort warst Du als Achte zweitbeste Deutsche hinter Sabine Spitz. Wie lief das Rennen und wie zufrieden bist Du mit dem Ergebnis?
Nina Göhl: Zwar hatte ich mir meine Ziele etwas höher gesteckt - ich wollte unter die ersten Fünf, doch bin
ich im Nachhinein doch sehr zufrieden mit der WM. Da die erste Runde überhaupt nicht gut lief und ich diese nur als 22. beendete, hatte ich mich schon damit abgefunden nur unter die Top 20 zu fahren. Doch lief es dann Runde für Runde besser. Der achte Platz kam dann aber doch sehr überraschend, sodass ich mich riesig darüber gefreut habe. Unerwartet gute Ergebnisse sind für mich immer noch das schönste.

bike2b: Du hast ja mit Toni Uecker den gleichen Trainer wie Sabine Spitz. Welchen Anteil hat er am Erfolg von Sabine und Dir?
Nina Göhl: Ja, Toni war mal Sabines Trainer. Er hat sie sozusagen in die Weltspitze gebracht. Doch arbeitet Sabine seit drei Jahren nur noch mit Bundestrainer Frank Brückner zusammen. Ich denke, dass Toni schon einen sehr großen Anteil an Sabines und meinem Erfolg hat. Er hat die nötige Ruhe und Geduld für seine Sportler, war selbst einmal Radrennfahrer und hat somit auch das nötige Know-how für seine Arbeit. Da er nicht nur den Sport sieht, sondern
auch meine anderen Interessen berücksichtigt und diese voll unterstützt, können wir super zusammenarbeiten. Es gibt so gut wie nie Unstimmigkeiten und die Früchte seiner Arbeit sprechen ja für sich.

bike2b: Schauen wir nochmal kurz zurück an den Anfang der Saison: Gesundheitliche Probleme haben Dir in der Vorbereitung auf die ersten Weltcups zu schaffen gemacht. Ein herber Rückschlag für die Olymipa-Qualifikation. Warst Du trotzdem noch zuversichtlich?
Nina Göhl: Nach meiner ersten Verletzung im Februar(Achillessehnenentzündung - Anm. d. Red.) hatte ich schon etwas Motivationsprobleme. Doch nach dem ersten Trainingslager war ich wieder voll bei der Sache. Als mich dann Anfang April auch noch Knieprobleme aus dem Training warfen, war ich komischerweise wieder sehr zuversichtlich. Ich habe mir gedacht: "Jetzt erst recht! Zwar wird es knapp,
aber noch ist nichts zu spät". Ich war echt hochmotiviert und da ich nach der Genesung einfach nur froh war wieder Rad fahren zu können, machte das Training Spaß wie noch nie.

bike2b: Als Du dann in Schladming auf Platz acht gefahren bist, haben eigentlich alle erwartet, dass Du vom NOK den dritten Startplatz neben Sabine Spitz und Yvonne Kraft bekommst. Wie fandest Du die Entscheidung des
Komitees diesen Startplatz gar nicht zu besetzen?
Nina Göhl: Dass das NOK den Startplatz einfach frei ließ, war für mich das dümmste und das, womit ich bei der ganzen Nominierungsgeschichte am wenigsten gerechnet hätte. Wäre wenigtsens Sandra Klose nominiert worden, hätte ich das ja noch verstanden. Doch hart erkämpfte Startplätze einfach zu verschenken, finde ich ehrlich gesagt fast unverschämt. Schließlich steckt da nicht nur meine Arbeit, sondern auch die von Trainern, Physios, Teams und vielen anderen drin.

bike2b: Die Qualifikationsfrist war ja vier Wochen vor der letzten Nominierung ausgelaufen. Das NOK begründete Deine Nichtnominierung damit, dass Schladming erst nach Ablauf der Qualifikationsfrist stattfand. Schaffen wir es in Deutschland nicht Ergebnisse innerhalb von vier Wochen an die entscheidungsbefugten Komitees weiterzuleiten?
Nina Göhl: An der Weiterleitung der Ergebnisse lag es ja nicht einmal. Der BDR hat schon die nötigen Ergebnisse an das NOK wietergegeben. Doch die sogenannte Einzelfall-Verhandlung, in der über mich entschieden werden sollte, fand nicht bzw. nur unter großem Zeitdruck statt, sodass eventuell wichtige Umstände wie Verletzungen nur ungenügend - wenn überhaupt - beachtet wurden. Ich
habe keine Ahnung wie groß das Chaos im NOK wiklich war und wie es wiklich gelaufen ist. Jedenfalls begründete es seine Entscheidung nur damit, dass ich die Kriterien eben nur zur Hälfte erfült hätte.

bike2b: Was hast Du während der Olympischen Spiele gemacht? Hast Du die Rennen im TV verfolgt?
Nina Göhl: Wenn ich erhlich bin, habe ich von den 'Spielen' nicht wiklich viel mitbekmmen. Ich war auf der 'Trophée d'Or'-Straßenrundfahrt in Frankreich, um mich auf die WM vorzubereiten. Allerdings habe ich mir das MTB-Rennen der Damen schon angeschaut. Das war ein Muss. Ich habe mit unseren Fahrerinnen mitgefiebert, vor allem aber mit Gunn-Rita. Ich war nervös, als sie mit ihren Kettenproblemen zu kämpfen hatte und war erleichtert, als sie endlich als Siegerin ins Ziel gekommen ist.

bike2b: Beim Swisspower Cup nach Olympia kam dann aber ein Paukenschlag. Im letzten Vorbereitungsrennen zur WM hast Du nicht nur Sabine Spitz, sondern auch die Olympiasiegerin Gunn-Rita Dahle geschlagen. War das eine kleine Wiedergutmachung für Dich?
Nina Göhl: Auf jeden Fall. Zumindest war das für mich und meinen Trainer eine Bestätigung dafür, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Und ein schönes Gefühl war es natürlich auch, die erste zu sein, die Gunn-Rita in diesem Jahr geschlagen hat.

bike2b: Würdest Du diese Saison im Rückblick eher positiv oder negativ bewerten?
Nina Göhl: Ich sehe die Saison eigentlich vollkommen positiv. Ich habe gerade durch die Verletzungen zu Beginn der Saison wieder sehr viele Erfahrungen gesammelt und dazu gelernt. Außerdem haben sie mir auch gezeigt, dass ich mit relativ wenig aber dem richtigen Training schnell wieder in Form kommen kann. Das gibt mir Zuversicht für nächstes Jahr, wenn ich dann studiere. Zwar regen sich immer noch viele über meine Nichtnominierung auf, doch ich hatte damit innerlich eigentlich recht bald abgeschlossen. Ich habe es voll genossen, mich selbstständig auf die WM vorzubereiten und die Zeit während der Olympischen Spiele war eine der schönsten der Saison. Da hat echt alles gepasst und die Form letztendlich auch.

bike2b: Jetzt fängt im Oktober das Studium an. Mit Freiburg hast Du Dir zwar ein Top Bike-Gebiet ausgesucht, aber wirst Du noch genügend Zeit haben, um Dich auf die nächste Saison vorzubereiten? Oder werden wir Dich nur noch
am Start der Deutschen Studenten MTB-Meisterschaft sehen?
Nina Göhl: Tja, diese Frage kann ich mir leider selbst noch nicht beantworten. Manche sagen, ich sei verrückt mir gerade Medizin auszusuchen, was ja nicht gerade wenig Zeit in Anspruch nimmt. Doch habe ich mir andererseits auch von anderen, die selbst studiert und Leistungssport betrieben haben, sagen lassen, dass sich beides recht gut verbinden lässt. Wie es wiklich ist,
muss ich wohl selbst erst für mich rausfinden. Doch ich freue mich voll auf's Studium. Ich lerne eben gern und einen vollen Terminplan brauche ich auch immer. Also denke ich, dass ich das schon irgendwie gebacken kriege. In der
nacholympischen Saison wird das Training ohnehin erst mal etwas limitiert, also der optimale Zeitpunkt mit dem Studium zu beginnen. Doch habe ich schon vor, auch nächstes Jahr so gut es eben geht Gas zu geben.

bike2b: Hast du Olympia 2008 im Hinterkopf?
Nina Göhl: Auf jeden Fall. Das ist das Hauptziel für mich. Und gerade deswegen sehe ich meine diesjährige Nichtnominierung so positiv. Ich habe eben noch nicht
das höchste Ziel eines Sportlers erreicht. Somit habe ich für die nächsten vier Jahre noch genug Motivation und Antrieb für das große Ziel Olympia.
bike2b: Also dann viel Erfolg im Studium und eine gute Vorbereitung auf die nächste Saison.
Nina Göhl: Vielen Dank.

Das Interview führte Mario Felgenhauer, Chefredakteur von www.xc-ski.de , für bike2b.


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