
Pia Sundstedt

Sundstedt und Sydor

Pia Sundstedt

Pia Sundstedt

Sundstedt und Dietsch

Pia Sundstedt

Sydor und Sundstedt

Pia Sundstedt

Pia Sundstedt
Interview mit Pia Sundstedt - Nach der "Ehekrise" eine neue Liebe
bike2b-Redaktion am 10.06.2008 - 14:49 Uhr
Pia Sundstedt erlebt im Mountainbike-Sport eine zweite Karriere. Nach sieben erfolgreichen Jahren im Straßenrennsport wendete sie sich zwei Jahre lang ab vom Wettkampfgeschehen. 2005 stieg sie in den Mountainbike-Sport ein und wurde prompt Marathon-Europameisterin. Die Marathon-Weltranglistenerste lebt in Freiburg gemeinsam mit ihrem Freund, dem Sportmediziner Dr. Olaf Schumacher. Wir haben uns vor der Marathon-EM mit Pia Sundstedt unterhalten.
Frage: Pia, Sie haben gemeinsam mit ihrer Teamkollegin Alison Sydor die Etappenfahrt Cape Epic in Südafrika bestritten und gewonnen. Wie haben Sie Ihre Premiere im Duett erlebt?
Pia Sundstedt: Mit Alison war das super. Wir kennen uns und wissen ganz genau, wie wir uns einschätzen müssen. Aber das Cape Epic war brutal hart, speziell für uns Frauen. Straßenrennen sind dagegen einfach. Ich habe vier Wochen gebraucht, um mich davon zu erholen.
Frage: Sie waren sieben Jahre Straßenprofi, in Holland, in Italien, in Kanada und zuletzt in einem norwegischen Team, Sie haben Weltcup-Rennen gewonnen aber dann plötzlich aufgehört. Warum?
Pia: Es war wie eine Ehekrise (lacht). Ich hatte einfach keine Lust mehr zu fahren. Ich habe nur noch trainiert, weil ich wusste, dass ich trainieren muss, um beim Giro oder bei der Tour de France gut fahren zu können. Wenn du mal einen Weltcup gewonnen hast, kannst du nicht mehr einfach nur mitfahren.
Frage: Was haben Sie dann gemacht?
Pia: Ich habe in Finnland Staatswissenschaften studiert. Übersetzt ins Deutsche bin ich jetzt Diplom-Politologin. Danach habe ich in Helsinki in einer Textil-Firma gearbeitet und war mit dem Chef viel auf Messen unterwegs. Das war eigentlich sehr interessant.
Frage: Und wie sind Sie dann doch wieder zum Radsport zurückgekommen?
Pia: In meiner Freizeit bin ich immer zu meinem Freund Olaf geflogen und irgendwann war klar, dass wir das so nicht mehr haben wollten. Ich habe dann meinen Job aufgeben, das Auto verkauft, mein Zeug gepackt und bin zu ihm nach Freiburg gezogen.
Frage: Wieder ein totaler Schnitt im Leben der Pia Sundstedt.
Pia: Ja, das war am Anfang hart. Ich konnte die deutsche Sprache nicht. Aber mir war es erst mal egal, was ich mache. Ich habe in einem Café gearbeitet, später als Tourenguide. Ich habe ja nie aufgehört, Sport zu machen. Radfahren, Joggen, Langlauf.
Frage: Und wie sind Sie dann zum Mountainbike gekommen?
Pia: Tja, ich war ja 1994 schon finnische Cross-Country-Meisterin (schmunzelt). Aber 2004 haben Olaf und ich in Finnland mal bei einem Marathon mitgemacht. Aber da musste man Kilometer lang im Matsch schieben. Ich habe es gehasst. Wenn das Mountainbike ist, habe ich gedacht, dann nie wieder. Aber Olaf hat zu mir gesagt, ich soll mal in Deutschland einen Marathon fahren. In Willingen habe ich das dann gemacht und es war doch nicht so schlimm. Aber klar, wenn man gewinnt, ist eigentlich immer alles gut.
Frage: Aber reicht das, um den Sport als Wettkampf zu betreiben?
Pia: Nein, es macht schon Spaß. Ich will es genießen. Ich war sieben Jahre Profi, das hatte ich schon. Jetzt zwingt mich keiner dazu, das zu tun. Wenn ich nicht mehr will, höre ich auf. Marathons finde ich super, weil da Top-Leute und Hobby-Fahrer zusammen sind. Ich mag das einfach. Auf der Straße war immer so viel Druck, das brauche ich nicht mehr.
Frage: Wenn Sie das mit den Belastungen im Straßenrennsport vergleichen?
Pia: Auf der Straße fährst du oft erst die letzten 20 Kilometer schnell. Im Mountainbike geht es sofort nach dem Startschuss los. Wir Frauen versuchen, bei den normalen Marathons immer in gute Männergruppen rein zu kommen. Das ist im Prinzip wie Zeitfahren.
Frage: Sie haben 2006 auch versucht, im Cross-Country-Bereich Fuß zu fassen.
Pia: Ja, ich wollte mich eigentlich für die Olympischen Spiele qualifizieren. Aber die Qualifikationskriterien machen das für mich als einzige Finnin kaum möglich. Und dort habe ich auch wieder den Stress von der Straße gespürt. Vielleicht war ich das auch selbst, weil ich mir den Druck gemacht habe. Ich dachte, wenn ich mich technisch verbessere, dann müsste ich es unter die besten 30 schaffen.
Frage: Ein sportlicher Ehrgeiz ist also durchaus vorhanden?
Pia: Natürlich, sonst würde ich es nicht machen. Man will doch immer Erfolg, ob im Sport oder im Beruf. Aber früher wollte ich jedes Rennen gewinnen und habe ich es nicht, war ich traurig. Je älter ich werde, desto unwichtiger ist das. Aber das WM-Trikot, das würde ich schon gerne noch haben.
Frage: Wen betrachten Sie denn bei der Europameisterschaft in Albstadt als größte Konkurrentinnen?
Pia: Hmm, ich denke Esther Süss und Dolores Rupp aus der Schweiz zum Beispiel. Aber ich rechne auch mit Annabella Stropparo aus Italien. Die hat allerdings bei längeren Distanzen immer ihre Probleme. In Albstadt rechne ich mit einer Siegerzeit von vielleicht viereinhalb Stunden für die Frauen.
Frage: Sie haben am vergangenen Samstag die Trans Germany gemeinsam mit Alison Sydor auf Rang zwei beendet. Wie lautet Ihr Fazit?
Pia: Die Trans Germany war super schön, ich habe so viel gesehen von Deutschland.
Frage: Und sportlich?
Pia: Es war ziemlich einfach.
Frage: Und deshalb eine gute Vorbereitung auf die EM?
Pia: Ja, ich fühle mich sehr gut und ich hoffe, dass ich mit dem gleichen Gefühl wie bei der Trans Germany am Sonntag an den Start gehen kann.
Pia Sundstedt im Kurzporträt
Geboren: 2. Mai 1975 in Kokkola, Finnland
Beruf: Diplom-Politologin, zur Zeit MTB-Profi bei Rocky Mountain International
Wohnort: Freiburg, Deutschland
Spricht Finnisch, Schwedisch, Italienisch, Englisch und Deutsch
Erfolge:
Straße:
Finnische Straßenmeisterin 2005
2 Weltcup-Siege 2000 (Montreal/Kanada, Oberembrach/Schweiz)
3 Etappensiege Giro d’Italia (1998, 1999, 2000)
Gesamtsiege Giro del Trentino 1997 und 2000
Gesamtsieg Giro Toscana 1998
Mountainbike:
1994: Finnische Meisterin Cross Country
2005: Marathon-Europameisterin, vier Marathon-Siege, 5. Platz Marathon-WM
2006: Marathon-Weltcup-Gesamtsiegerin
2 Weltcup-Siege (Val Thorens, Frankreich und Mont Sainte Anne, Kanada)
2. Platz Marathon-EM
5. Platz Marathon-WM
4 weitere Marathon-Siege
31. Platz Cross-Country-Weltcup Spa, Belgien
41. Platz Cross-Country-Weltcup Madrid, Spanien
43. Platz Cross-Country-Weltcup Fort William, Großbritannien
2007: Marathon-Weltcup-Gesamtsiegerin
2 Weltcup-Siege (Bourg d’Oisans, Frankreich und Gran Canaria, Spanien)
3. Platz Marathon-WM
5. Platz Marathon-EM
7 weitere Marathon-Siege
Finnische Cross-Country und Marathon-Meisterin
2008: Weltcup-Sieg Manavgat, Türkei
Sieg bei Zweier-Etappenfahrt Cape Epic, Südafrika
Langlauf:
2006: 3 Siege (Trace Vosgienne, Bernau Skating Jet, Pustertal Skimarathon)
2007: 1. Platz Gesamtwertung Pustertal Skimarathon
Quelle:
Skyder Sportpromotion
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