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Sabine Spitz in den Alpen

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Interview mit Sabine Spitz / Fortsetzung

bike2b-Redaktion am 04.08.2004 - 16:45 Uhr

bike2b: Wenn Dir durch das Verpassen wichtiger internationaler Rennen Rennpraxis und der Vergleichsmaßstab fehlt, wirst Du doch sicherlich Dein Hauptaugenmerk auf solide Trainingsmaßnahmen gelenkt haben? Wie sah die Vorbereitung in dieser Hinsicht bislang aus?
Sabine Spitz: Ja klar, nach den ersten drei Weltcups und der DM Einzelzeitfahren musste erst einmal ein neuer Formaufbau erfolgen. Den detaillierten Trainingsplan entwarf Bundestrainer Frank Brückner für mich. Jetzt begebe ich mich ins Trainingslager nach Vogtsburg/Freiburg, um an der unmittelbaren Wettkampfform zu feilen, was vor allem kürzere, aber intensiverer Einheiten bedeutet. Dabei dient mir die zuvor erworbene Ausdauer als Grundlage. Seit Ende Juni befand ich mich in einer Phase, in der die Grundlagen geschaffen werden sollten und die mit Ende der Transalp abgeschlossen war. Eine weitere ganz wichtige Rolle in der Vorbereitungszeit spielt natürlich auch mein Ehemann Ralf, mit dem ich gemeinsam regelmäßig trainiere.

bike2b: Ein letzter Rückblick auf die Alpenüberquerung. Was hat Dir die Teilnahme eigentlich bedeutet? Soweit ich weiß, war es die erste Teilnahme.
Sabine Spitz: Ja, die Transalp war für mich eine Premiere. Neben dem Umstand, dass die Teilnahme an ihr in mein derzeitiges Training optimal passt, war es für mich einfach reizvoll, mit dem Mountainbike einmal über die Alpen zu fahren. Natürlich hätte ich dazu im Grunde genommen keine organisierte Veranstaltung benötigt. Dadurch, dass die Etappen vorgegeben waren und man mit ambitionierten Bikern fährt, besteht aber im Gegensatz zur Alleinüberquerung ein größerer Anreiz mit höherem Tempo zu fahren. Insgesamt bestehen in der Gruppe mehr leistungsfördernde Anreize. Da ich den sportlichen Wert für einen Leistungssportler bei dem Event, so wie es jetzt konzipiert ist, aber insgesamt für fragwürdig halte, sah ich die Teilnahme nicht als einen eigentlich sportlichen Wettkampf, sondern als Mittel zum Zweck meiner individuellen Olympiavorbereitung. Welche Platzierung wir am Ende erreicht haben, spielt dabei für mich eigentlich keine entscheidende Rolle.

bike2b: Im Gegensatz zur Transalp-Premiere wirst Du in Athen bereits das zweite Mal bei Olympischen Spielen am Start stehen. Gab es bei der Vorbereitung auf die Spiele in Sydney 2000 Fehler oder Versäumnisse, aus denen Du bei der diesjährigen Vorbereitung gelernt hast? Machst Du diesmal etwas grundlegend anders?
Sabine Spitz: Nein, bei meiner ersten Teilnahme an den letzten Olympischen Spielen erreichte ich Platz neun und es verlief damit eigentlich optimal. Für mich war damals die Teilnahme ein Riesenerfolg und die Erfüllung eines sportlichen Traums. Ich erinnere mich gut daran, wie ich beim letzten zählenden Weltcup gerade noch als 15. die Olympianorm schaffte. Außer meinem damaligen Trainer Toni Ücker (Rheinfelden) hatte mir kaum jemand zugetraut, einen der zwei Startplätze zu ergattern. Erst in der Folgezeit gelang mir dann der Anschluss an die Weltspitze. Ich denke, dass sich seit 2001 natürlich der Fokus verändert hat, wobei schon in Sydney die Vision 'Medaille' bei den nächsten Olympischen Spielen geboren wurde. In den letzten drei Jahren bin ich bei Weltmeisterschaften immer in den Medaillenrängen mitgefahren. Dementsprechend sind seitdem natürlich auch die Ansprüche andere geworden. Stand mein Olympiaauftritt 2000 noch unter dem Motto 'Dabeisein ist alles', ist 2004 eine Medaille die klare Zielsetzung. Dementsprechend gehe ich in diesem Jahr anders vorbereitet – eben professioneller - in das Rennen.

bike2b: Wie präsent ist das Thema Olympia in diesen Tagen? Ist es das alles beherrschende Thema für Dich?
Sabine Spitz: Klar ist, dass mir das Thema sehr ernst ist und irgendwo auch immer präsent. Wenn man akribisch auf ein Ziel hinarbeitet, hat man es natürlich immer vor Augen. Durch das gestiegene Medieninteresse als Weltmeisterin wird man auch ständig mit dem Thema konfrontiert. Dennoch ist es für mich nicht im negativen Sinn präsent, als dass ich mich unter Druck gesetzt fühlen würde. Insofern bin ich inzwischen Profi genug, sodass ich bei meinen Gedanken an Olympia nichts anderes als den Wettkampf als solchen vor Auge habe. Und darauf freue ich mich.

bike2b: Vor ein paar Wochen wurdest Du ja sehr eindringlich mit dem Thema konfrontiert, als Du bei der Einkleidung der Olympioniken warst. Welche Gedanken gingen Dir dabei durch den Kopf?
Sabine Spitz: Das war ganz sicher ein Moment, in dem man schon einmal die Gedanken schweifen lässt und Olympia greifbar wird. Das Aushändigen der Kleidung hatte für mich ein spezielles Flair. Wenn man die Sachen in den Händen hält, denkt man zwangsläufig an das Olympische Dorf, die anderen Athleten, das ganze drum herum und natürlich das eigene Rennen.

bike2b: Du warst ja mittlerweile schon zweimal zu Trainingszwecken auf der Olympiastrecke. Wie ist Dein Eindruck? Sabine Spitz: Dazu muss ich erst einmal etwas Grundsätzliches sagen. Für mich besteht der Mountainbike-Sport aus zwei wesentlichen Komponenten. Das ist zum einen der Bereich Kraft bzw. Ausdauer und zum anderen der technische Aspekt. Nach meinen bisherigen Eindrücken kommt auf der Olympia-Strecke der zweite Gesichtspunkt eindeutig zu kurz. Vor dem Hintergrund der Bedeutung der Veranstaltung und der mit der medialen Reichweite, die meinem Sport an diesem Tag zukommt, bin ich schon ein wenig von den örtlichen Gegebenheiten enttäuscht. Unter diesem Gesichtspunkt ist die Strecke der WM von Lugano für mich vorbildlich. Die Strecke in Athen hingegen ist sechs Kilometer lang und wird durch drei Anstiege geprägt, wobei der erste durch ein Flachstück in der Mitte gekennzeichnet ist, die beiden anderen hingegen etwas länger sind. Der Parcours ist in meinen Augen eine reine Konditionsstrecke, ähnlich wie wir sie aus Sundern-Hagen kennen. Ich vermute, dass mich auf ihr Ende August ein Rennen erwartet, in dem nicht groß taktiert werden wird. Die Stärksten werden sich zu Beginn des Rennens vorne einreihen und daran wird sich bis ins Ziel auch kaum etwas ändern. Daneben werden aber sicher auch die Hitze, der Staub und die Luft limitierende Faktoren sein. Ich stelle mich auf ein extrem hartes Rennen ein.

bike2b: Welche Deiner Konkurrentinnen schätzt Du als ernst zu nehmende Gegnerin ein?
Sabine Spitz: Ernst zu nehmende Gegnerinnen sind eigentlich alle bei den Olympischen Spielen! Wobei von den insgesamt 30 Starterinnen, gut 15 für eine Medaille in Frage kommen dürften. Die bisherige Saison hat natürlich klar gezeigt, dass es Gunn-Rita Dahle ist, die es zu schlagen gilt, wenn es um Gold geht. Wobei das gemessen an den bisherigen Ergebnissen fast unmöglich erscheint. Allerdings hat die letzte WM bewiesen, dass auch sie nicht unschlagbar ist. Des weiteren rechne ich mit einer starken Marga Fullana, der die Hitze in Griechenland entgegen kommen dürfte und die in technisch einfachen Anstiegen sehr schnell ist. Aber auch mit Paola Pezzo, als zweifacher Olympiasiegerin und Barabara Blatter muss man rechnen. Dazu kommt die Niederländerin Vink und die Kanadierin Premont, wobei vor allem Vink die wenig technische Strecke liegen dürfte. Auch Alison Sydor und Irina Kalentieva haben schon gezeigt, dass sie in diesem Jahr in Topform sind. Allerdings hätten wohl beide – ebenso wie ich – einen etwas technischeren Kurs bevorzugt.

bike2b: Sabine, wir danken Dir für das Gespräch und werden Dir gemeinsam mit dem Rest der Mountainbike-Nation am 27. August die Daumen drücken.


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