Specials Eventspecials 2005

Gunn Rita Dahle

Thomas Dietsch

Elena Giacomuzzi

Massimo De Bertolis

Thomas Dietsch (FRA)

Bart Brentjens

Sandra Klose

Irina Kalentieva

Gunn Rita Dahle

Alban Lakata

Massimo De Bertolis

Bart Brentjens

Irina Kalentieva

Irina Kalentieva

Gunn Rita Dahle und Massimo de Bertolis siegen bei Marathon-WM

bike2b-Redaktion am 12.07.2004 - 11:20 Uhr

Mit einem überragenden Vorsprung von fast zwanzig Minuten
gewann Cross Country Rekordweltcupsiegerin Gunn Rita Dahle aus Norwegen heute die UCI MTB Marathon Weltmeisterschaften in Bad Goisern in Oberösterreich vor ihrer Teamkollegin Irina Kalentieva aus Russland und der jungen Slowenin Blaza
Klemencic. Der Kampf um die Weltmeisterehren der Herren wurde dagegen erst auf den letzten Kilometern entschieden. Nach Kräfte zehrenden vier Stunden hatte der Italiener Massimo de Bertolis die besten Beine und konnte sich am letzten Anstieg absetzen. Der Franzose Thomas Dietsch kam mit 2.19 Minuten Rückstand als Zweiter ins Ziel, Bronze gewann der Vizeweltmeister des vergangenen Jahres, Bart Brentjens (NDL).

WM-Teilnahme Dahles zu Trainingszwecken
Eigentlich wollte die 31-jährige Norwegerin die Marathonweltmeisterschaften nur als 'Training' für die Olympischen Spiele nutzen – doch wer Gunn Rita Dahle kennt, weiß, dass sie kein Rennen fährt und erst recht keine Weltmeisterschaften, ohne alles zu geben. Auf den ersten Kilometern führte zunächst die Bronzemedaillengewinnerin des letzten Jahres, Sandra Klose (GER) im deutschen Nationaltrikot, das noch dicht gedrängte Damenfeld an.
Dann zog Gunn Rita an ihr vorbei, um ihr eigenes Tempo zu fahren - und das war schnell.

Nach dem Gesamt-Weltcup jetzt auch der Marathon-Titel
Bereits nach den ersten dreißig Kilometern hatte sie einen Vorsprung von über zwei Minuten auf ihre Verfolger, Elena Giaccomuzzi (ITA), Blaza Klemencic (SLO) und Irina Kalentieva (RUS) herausgefahren. An der zweiten Zwischenzeit bei Kilometer 45,70 war ihr Vorsprung in den technischen Abfahrten bereits auf über acht Minuten auf Klemencic und Kalentieva gewachsen, die Italienerin Giaccomuzzi fiel der Schlammschlacht zum Opfer und mit zweieinhalb Minuten Rückstand auf die beiden Osteuropäerinnen zunächst auf Platz vier zurück, bevor ihre Kräfte nachließen und sie nach hinten durchgereicht wurde.
Bei Kilometer 69,43 führte Dahle schließlich mit knapp fünfzehn Minuten, uneinholbar für ihre Verfolgerinnen Kalentieva und Klemencic, die sich zusammen getan hatten, um das hohe Tempo, das die Norwegerin vorlegte, mitgehen zu können. Freudestrahlend erreichte Gunn Rita Dahle nach 5 Stunden, 28 Minuten und 12,45 Sekunden das Ziel, wo sie ihrem Freund und Trainer Kenneth um den Hals fiel, der ihr liebevoll das schlammverschmierte Gesicht abwusch.

Ein Tag, an den man sich erinnert
"Ich hatte heute unglaublich gute Beine und mein Bike lief trotz dieser extremen Bedingungen wie geschmiert", erzählte die überglückliche Weltmeisterin. "Der Kurs war viel technischer als die meisten erwartet hatten. Aber ich habe mich so stark gefühlt, dass ich von Anfang an mein Rennen fahren konnte. Ich bin heute förmlich über die Strecke geflogen. So einen Renntag wünscht sich jeder Athlet einmal in seinem Leben. Selbst den letzen langen Anstieg konnte ich genießen, weil es mir noch immer so gut ging. Und dann auch noch Weltmeister zu werden – das ist einmalig, diesen Tag werde ich lange nicht vergessen!"

De Bertolis gewinnt seine Marathon-Premiere
Kaum hatte sie ihr Siegerinterview beendet, brach erneut Jubel im Zielraum los – Massimo de Bertolis (ITA) kreuzte als erster Herr nach 4 Stunden, 37 Minuten und 31,90 Sekunden die Ziellinie und brach vor Freude und Erschöpfung in Tränen aus. De Bertolis hatte schon am Morgen gespürt, dass ihm seine Beine heute wohl gesonnen waren, doch das ging wohl auch neun anderen Fahrern so, denn bis zur Hälfte des Rennens blieb eine Spitzengruppe von zehn Fahrern zusammen, darunter auch seine Landsleute Dario Acquaroli und Marzio Deho, Bart Brentjens (NDL) - der Vizeweltmeister des vergangenen Jahres - Thomas Dietsch (FRA) - der Vorjahressieger der 100-Kilometer Distanz der Salzkammergut Trophy - sowie die Österreicher Martin Kraler und Marathon Staatsmeister Alban Lakata.

Traum vom WM-Titel wurde wahr
In der zweiten Hälfte des Rennens konnte sich de Bertolis dann gemeinsam mit seinem Landsmann Dario Acquaroli absetzten, dicht gefolgt von Thomas Dietsch und Bart Brentjens. "Ich habe eigentlich nicht damit gerechnet, dass ich dieses Rennen gewinnen kann", sagte der Italiener im Ziel. "Das war ja mein erster Marathon und ich habe am Anfang erst einmal geschaut, wie die Leute mit Langstreckenerfahrung wie Dietsch und Brentjens das Rennen angegangen sind." Die Vierergruppe formierte sich neu, als Dario Acquaroli stürzte und mit einem defekten Bike zu kämpfen hatte. "Beim letzten Anstieg hinter Bad Ischl waren Thomas Dietsch und ich zusammen", erinnert sich de Bertolis. "Ich war zwar völlig fertig, aber ich habe dann gemerkt, dass ich an Thomas vorbei ziehen kann. Und als Weltmeister anzukommen, war ein unglaubliches Gefühl." Von einem Weltmeistertitel träumte de Bertolis seit sein Bruder Ricardo 1993 zum ersten Mal die Goldmedaille in der Disziplin Cross Country gewann.

Technik-Passage zum Schluss kommt Brentjens entgegen
Auch Thomas Dietsch (4:39:51.54 Std.) erreichte das Ziel vollkommen erschöpft und vergoss erst einmal Freudentränen. Der Franzose hatte sich noch vor wenigen Wochen das
Schlüsselbein gebrochen und dies war erst sein zweites langes Rennen nach seinem Unfall. "Am letzten Berg konnte ich nicht mehr mit Massimo mithalten, ich war so platt gefahren. Aber ich bin restlos glücklich und vollauf zufrieden mit dem Vizeweltmeistertitel." Der Marathon-Vizeweltmeister des vergangenen Jahres und Olympiasieger von 1996, Bart Brentjens, hatte zu Beginn des Rennens ebenfalls nicht damit gerechnet, unter die Top drei zu fahren. "Die Italiener sind das Rennen so verdammt schnell angegangen", sagte der Holländer im Ziel. "Ich lag am Anfang immer zwischen der fünften und zehnten Position.
Doch gegen Ende wurde das Rennen immer technischer, und da konnte ich wieder einige Plätze gut machen. Das es tatsächlich noch für die Bronzemedaille gereicht hat, ist klasse!"

Kalentieva überglücklich mit Platz zwei bei ihrer Marathon-Premiere
Wenige Minuten nachdem die drei besten Herren die Ziellinie gequert hatten, konnte auch die Vizeweltmeisterin bei den Damen von den rund 3000 Zuschauern in Bad Goisern
gebührend gefeiert werden. Eine überglückliche Irina Kalentieva sprang von ihrem Bike und führte regelrechte Freudentänze auf, denn das Weltmeisterschaftsrennen war zugleich der allererste Marathon der zierlichen Russin. Sie bewältigte die 105,69 Kilometer lange Strecke mit insgesamt 3693 Höhenmetern in einer Zeit von 5:47:56.10. "Ich bin so glücklich", strahlte die Teamkollegin von Gunn Rita Dahle.
"Ich hätte niemals vermutet, dass ich hier aufs Podium fahren kann! Ich bin noch nie so ein langes Rennen gefahren. Es war wahnsinnig anstrengend. Jetzt muss ich mich erst einmal zwei Wochen erholen. Ich bin vollkommen fertig."

WM-Dritte fährt trotz Qualifikation nicht nach Athen
Die größte Sensation dieser WM lieferte aber die 24-jährige Blaza Klemencic (SLO). Die junge Slowenin, eine erfolgreiche Freeclimberin, die erst vor kurzem aufs Mountainbike umgestiegen war, fuhr heute ihren allerersten Marathon. "Blaza hat nie länger als fünf Stunden am Stück trainiert und heute ist sie 5:49:44.91 gefahren. Sie ist ein unglaubliches Talent", sagte ihr stolzer Trainer nach der Siegerehrung. "Wir haben uns schon Chancen für die Top 10 ausgerechnet, denn wenn ich mit ihr trainiere, sehe ich ja, wie stark sie ist. Aber dass sie gleich bei ihrem ersten Rennen eine WM-Medaille gewinnt, hätten wir uns nie träumen lassen." Klemencic wäre sogar für die Olympischen Spiele nominiert gewesen, aber ihr Club kann leider das Flugticket nach Athen nicht finanzieren. "Also bleibe ich zu Hause", lächelt sie, "ich bin ja noch jung".


Aufgrund des schlechten Wetters waren am Morgen nur 291 der ursprünglich 391 gemeldeten Athleten gestartet, davon waren 52 Damen und 239 Herren.


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