Specials Eventspecials 2005 EM Cross Country Interviews

Sandra und Peggy Klose

Sandra und Peggy Klose

Sandra und Peggy Klose

Sandra und Peggy Klose

Sandra und Peggy Klose

Interview mit Sandra Klose

bike2b-Redaktion am 27.07.2005 - 08:57 Uhr

bike2b: Herzlichen Glückwunsch zum zweiten Platz bei der Transalp Challenge und auch zu Deinem heutigen Geburtstag. Wie zufrieden bist du mit dem Erfolg bei diesem Etappenrennen?
Sandra Klose: Danke für die Glückwünsche! Mit dem gesamten Verlauf war ich sehr zufrieden, da wir uns das Rennen sehr gut eingeteil hatten. Wir mussten die letzte Etappe nicht voll durchziehen, da wir ein recht komfortables Zeitpolster hatten. Am Ende ging es nur noch darum den Berg gut hochzukommen, um in einer aussichtsreichen Gruppe zu sein.

bike2b: Euer Ziel war ein Podestplatz. Die letzte Etappe hatte eher den Charakter eines Straßenrennens. Kam Euch das mit Eurer sportlichen Vergangenheit entgegen, als es im Kampf um Platz zwei nochmal ein eng wurde?
Sandra Klose: Das kam uns gar nicht entgegen, da meine Schwester, im Gegensatz zur öffentlichen Berichterstattung, nicht viele Straßenrennen gefahren ist. Sie hatte große Probleme auf den Geraden, gerade an den ersten Tagen. Ich hatte große Angst vor dieser Flachetappe, da Schwing und Marunde auf diesen Strecken devinitiv besser sind als wir. Ich dachte, dass sie uns da nochmal richtig etwas abnehmen werden. Bei den Berganstiegen hingegen lag der Vorteil auf unserer Seite - ganz im Gegensatz zu den Abfahrten, wo wir gegen sie regelmäßig Zeit verloren haben. Peggy fährt kaum Rennen und ist dementsprechend vorsichtig. Also haben wir an den letzten Bergen gekämpft, um eine gute Männergruppe zu erwischen, der wir folgen konnten.

bike2b: Warst Du überrascht, dass ihr die Vorjahressiegerinnen Schwing und Marunde, schlagen konntet?
Sandra Klose: Dass wir Süss und Enocsson nicht schlagen können, war mir schon im Vorfeld klar. Aber mir war auch bewusst, dass Peggy ihre Form von Tag zu Tag steigern kann. Deswegen habe ich schon gehofft auf das Treppchen zu kommen, aber dass es so gut klappen würde, hatte ich nicht gedacht. Nach den Startschwierigkeiten standen wir ja fast bei jeder Etappe mit oben bei der Siegerehrung. Darüber bin ich natürlich glücklich.

bike2b: Deine Schwester ist ja eher als ambitionierte Hobbyfahrerin einzustufen. Wie hat sie das Rennen überstanden?
Sandra Klose: Sie hat sich auf jeden Fall ziemlich viel von mir anhören müssen, vor allem auf den ersten Etappen. Aber das ist ja ein Teil von "Zwillingscraft", dass man sich alles sagen kann, und es danach wieder vergessen ist. Wir kennen uns ja nunmal seit der ersten Minute unseres Lebens. Peggy hat mich sonst immer betreut und weiß wie hart ein Rennen sein kann. Von daher hat sie es mir auch nicht übel genommen, wenn ich zwischendurch mal angeschrieen habe als die Männergruppe wieder weg war und ich uns erneut ranfahren musste. Nach den Etappen war aber alles schnell wieder vergessen und wir haben zusammen weiter gekämpft.

bike2b: Welchen Sport betreibt Deine Schwester, wenn sie nicht gerade bei der Transalp Challenge Zweite wird?
Sandra Klose: Sie fährt schon Mountainbike, aber nur einmal die Woche, und im Winter geht sie skifahren.

bike2b: Ihr habt Euch ja, wie Du gerade schon erwähnt hat, "Zwillingscraft" genannt. Wessen Idee war das? Und gibt es eine Fortsetzung?
Sandra Klose: Beibehalten werden wir es wohl, da es nach dieser Woche schon fast zu einem "Brand" geworden ist. Die Entscheidung, dass wir zusammen durch die Alpen fahren, ist erst relativ spät gefallen. Aber die Idee hat mir von Anfang an gefallen. Es ist einfach, sich eine starke Profi-Partnerin zu suchen und auf Sieg zu fahren. Ich bin aber eher ein "defensiver" Mensch und mag es aus "unmöglichen" Situationen noch das Beste zu machen. Das liegt mir mehr als im Vorfeld schon als Favoritin zu gelten.
Natürlich haben wir uns im Vorfeld intensiv überlegt, wie wir unser Team nennen könnten. Es sollte schon was kultiges sein. Da der schwedische Sportartikel-Hersteller "Craft" mein Sponsor ist, passte es so auch ganz gut.

bike2b: Also werden wir Euch bei der nächsten Transalp wiedersehen?
Sandra Klose: Ich denke schon. Peggy muss bis dahin noch ein wenig trainieren. Ich weiß ja nun woran es bei ihr fehlt. Gerade auf den Abfahrten muss sie noch stärker werden. Aber es bleibt ja genug Zeit daran noch zu feilen.

bike2b: Als nächstes folgt die Cross Country-EM in Kluisbergen. Mit welcher Zielsetzung gehst Du in den Wettkampf?
Sandra Klose: Also nach der Transalp ist es schon schwierig eine gute Cross-Country Form zu haben, dafür kommt die EM zu früh. Ich hoffe trotzdem, dass ich ein gutes Ergebnis abliefern kann. Ich werde wohl keinen guten Start haben, hoffe aber mich dann im Rennverlauf steigern zu können, um mich peu à peu nach vorne zu arbeiten. Wichtiger ist mir bei der kommenden Marathon-WM eine gute Form zu haben.

bike2b: Nutzt Du die EM als Vorbereitungsrennen?
Sandra Klose: Nein, eine Europameisterschaft kann man nicht als Training sehen. Da muss man immer alles geben, was gerade drin ist. Das ist ein wichtiges Rennen.

bike2b: Nach der EM kommen noch die Marathon Weltcups in Oisans und Falun. Du liegst im Moment auf Rang 22 im Gesamtklassemnt. Wie wichtig sind Dir die Weltcups?
Sandra Klose: Schon nach Riva del Garda, wo ich verletzungsbedingt raus musste, habe ich den Gesamtweltcup abgeschrieben. Dieses Jahr ist das für mich gelaufen und ich greife im nächsten Jahr wieder an. Ich weiß, das ich dort ganz vorne landen kann. Dieses Jahr war das noch nicht möglich, da ich neben dem Marathon ja auch Cross-Country fahre. Die Wertigkeit der Marathon-Weltcups im ersten Jahr ihres Bestehens ist eben noch nicht so hoch. Aber ich würde trotzdem gerne mal einen Weltcup gewinnen und das wäre bei den nächsten Rennen auch möglich. Die Cross Country-WM hat für mich allerdings Priorität, und darum werde ich wohl auf denStart bei den verbleibenden Weltcups verzichten. Falls ich kein weiteres Höhentrainingslager absolviere, wäre ein Weltcup-Rennen aber noch eine Option. Das entscheidet sich an diesem Wochenende. Dann würde ich auf jeden Fall auf Sieg fahren.

bike2b: Du hast gerade die Marathon-WM in Lillehammer erwähnt. Was ist Dein erklärtes Ziel?
Sandra Klose: Bei der WM kann mein Ziel nur ein Treppchenplatz sein, da ich das ja auch schon einmal geschafft habe. Es wäre gelogen, wenn mein Ziel lauten würde unter die ersten Zehn zu kommen. Ich hoffe, dass es gut läuft, und dass ich bis dahin richtig fit sein werde. Dann wird sich zeigen was dabei herauskommt. Sicherlich spielt aber auch die Tagesform eine Rolle. Ein Vorteil ist vielleicht, das ich die Strecke kenne.

bike2b: Wer könnte Dir auf dem Weg zum Titel gefährlich werden?
Sandra Klose: Enocsson, Süss und Dahle werden wohl vorne mit dabei sein. Gerade Dahle ist eine Ausnahmeerscheinung, und sie ist immer für einen ersten Platz gut.

bike2b: Du bewegst Dich ja zwischen Cross Country und Marathon. Wie lief deine Saison-Vorbereitung in diesem Spannungsfeld?
Sandra Klose: Für mich gibt es zwei Prioritäten. Auf der einen Seite ist das die Marathon-WM und -EM. Aber ich lege auch viel Wert auf die Cross Country-Saison. Ich fahre aber auch gerne für die Nationalmannschaft. Das will ich auch gut machen, um mich bei internationalen Rennen vorne zeigen zu können. Allerding weiß ich, dass ich nur beim Marathon ganz vorne dabei sein kann. Deshalb sind diese Wettkämpfe so wichtig für mich. Cross Country-Rennen spielen dabei aber auch eine wichtige Rolle, da ich mich nur durch sie optimal auf die Marathons vorbereiten kann.

bike2b: Du hast gerade die Nationalmannschaft erwähnt. Wie stehst Du zu der Equipe und dem nationalen Vernband, nachdem Du trotz Deiner Leistungen nicht bei den Olympischen Spielen 2004 berücksichtigt wurdest?
Sandra Klose: Also ich hege keinen Groll. Aber vergessen kann ich das auch nicht. Allerdings war es eine wichtige Erfahrung im sportlichen Sinne. Wenn man so eine Situation verkraftet und aufrecht dort wieder rauskommt, dann kann man auch daran wachsen. Im Nachhinein war es natürlich kein schöner Moment meiner sportlichen Karriere, aber eine gute und wichtige Lektion fürs Leben. Das gehört einfach dazu, weil man auch in anderen Situationen mit derart negativen Entscheidungen zurecht kommen muss. Wenn man sowas überwindet, kann man auch stolz auf sich sein.

bike2b: Vielen Dank für das ausführliche Gespräch und viel Erfolg bei den nächsten Aufgaben. ... und viel Spaß beim Geburtstag feiern.
Sandra Klose: Ich danke auch.


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