
Impressionen

Regina Marunde

MTB-Tour
Der optimal Sitz
bike2b-Redaktion am 24.11.2006 - 15:37 Uhr
Nachdem wir im ersten Teil dieses Specials Tipps zum Kauf des Bike und seiner Komponenten gegeben haben, erklären wir nun, wie man diese aufeinander abstimmt, um einen optimalen Sitz auf dem Fahrrad zu erreichen.
Einfache Handgriffe passen Material an
Mit ein paar einfachen Handgriffen, zum Beispiel durch Verstellen der Sattelhöhe, erzielt man eine exakte Anpassung des Materials an die eigenen ergonomischen und sportlichen Bedürfnisse und holt das Beste aus seinem Bike heraus. Dabei ist zu beachten, dass das Zusammenspiel von Anatomie, Fahrgewohnheiten und Material für bequemes und effizientes Fahren sorgt. Eine ganzheitliche Betrachtung der Situation ist also immer angebracht, um den persönlichen Bedürfnissen gerecht zu werden. Wie bereits im ersten Teil zur Kaufberatung erwähnt, ist der Rahmen entscheidend für rückenfreundliches Biken und muss unbedingt der Körpergröße angepasst werden. Wenn hier erst das Richtige gefunden ist, erzielt der Biker durch Verstellen oder Austauschen von bestimmten Teilen den bestmöglichen Sitz auf dem Rad. Neben dem Körperbau kann man bei der Wahl des Materials auch die eigenen Fahrgewohnheiten berücksichtigen - zum Beispiel, ob man eine hohe oder niedrige Trittfrequenz hat. Dies wirkt sich wiederum positiv auf Fahrgefühl und Leistung aus. Die korrekte Reihenfolge ist beim Einstellen wichtig, denn zur Anpassung einiger Komponenten müssen bestimmte Vorbedingungen herrschen.
Der Auftakt: Einstellung des Sattels
Es gibt eine einfache Methode, um die richtige Einstellung des Sattels zu finden: Man setzt sich aufs Rad und stützt sich an einer Mauer oder Wand ab. Wenn man die Fersen auf die Unterseite der Pedale stellt, sollen die Knie sich beim Rückwärtstreten strecken, ohne dass man dafür auf dem Sattel hin- oder herrutschen muss. Sie sind dabei fast vollständig durchgedrückt. Geht das nicht, stellt man den Sattel entsprechend höher oder tiefer. Diese Methode eignet sich besonders gut bei den etwas altmodischen Häkchenpedalen, die oft noch bei Mountainbikes der unteren Preisklasse vorzufinden sind.
Grobe Einstellung oder Berechnung?
Eine grobe Einstellung ist auch bei Klickpedalen möglich, allerdings muss die Position dann eventuell noch nachgebessert werden. Wer sich nicht auf das eigene Gefühl verlassen möchte, für den gibt es eine Formel, mit der nach dem Ausmessen der Innenbeinlänge die Sattelhöhe berechnet werden kann. Dazu stellt man sich ohne Schuhe mit leicht gespreizten Beinen an eine Wand und bringt mit einem schmalen Buchrücken, der in den Schritt gedrückt wird, eine Markierung an die Wand. Dann misst man den Abstand vom Boden bis zur Markierung und erhält die Innenbeinlänge. Diesen Wert multipliziert man mit 0,89. Das Ergebnis bezeichnet die richtige Sattelhöhe von Tretlagermitte bis Satteloberkante.
Individuelle Anpassung nach Fahrstil
Wer in Betracht zieht, öfter in flachem oder bergigem Gelände zu fahren, der wird dabei insgesamt eher vorne oder hinten auf dem Sattel sitzen. Die Sattelstellung sollte in diesem Fall an den persönlichen Fahrstil angepasst werden, statt sich nur nach üblichem Regelwerk zu richten. Bei Freizeitbikern wird die Sattelhöhe oftmals zu niedrig gewählt ist, was eine optimale Kraftentfaltung verhindert und die Knie belastet. Stellt man fest, dass die Höhe tatsächlich zu niedrig ist, sollte man diese nur allmählich erhöhen, und zwar um etwa einen halben Zentimeter alle zwei Wochen. Andernfalls können Beschwerden an den Gelenken auftreten. Wer sich erst kürzlich einen neuen Sattel gekauft hat, muss damit rechnen, dass dieser nach einer gewissen Beanspruchungszeit abgenutzt ist und durchsitzt, sodass man ihn neu einstellen muss.
Sonderfälle der Satteleinstellung
Im Folgenden wollen wir Fälle vorstellen, die einer speziellen Sattelanpassung bedürfen: Wer Kniebeschwerden hat, sollte den Sattel etwas höher stellen, weil so das Bein beim Treten nicht so stark einwinkelt, und das Knie weniger belastet wird. Wenn der Biker bei niedriger Trittfrequenz hohe Gänge fahren will, ist diese Maßahme auch sinnvoll, weil bei zunehmender Beinstreckung die Kraftentfaltung größer wird und er dann stärker in die Pedale treten kann. Den Sattel niedriger stellen, sollten hingegen große Personen auf einem zu kleinem Rahmen, weil sonst die Ferse ungünstig abgesenkt wird. Gleiches gilt für diejenigen, die mit sehr hoher Trittfrequenz fahren, da ein zu weit durchgestrecktes Bein den Bewegungsfluss hemmt.
Flexibel durch den Schnellspanner
Vergleicht man die einzelnen MTB-Disziplinen, kommen niedrige Sattelhöhen hauptsächlich in den technischen Disziplinen vor, zum Beispiel Downhill, Dual Slalom und Trial. Für Techniktraining ist es daher ratsam, den Sattel etwas tiefer zu stellen. Beim Cross Country und Marathon sitzen die Biker meistens etwas höher. Es ist eine gute Idee, sich eine mit Schnellspanner verstellbare Sattelstütze anzuschaffen, weil man dann flexibel auf das Gelände reagieren und zum Beispiel vor einer hügeligen Abfahrt den Sattel zur eigenen Sicherheit etwas tiefer stellen kann.
Die richtige Neigung des Sattels
Ein MTB-Sattel sollte in der Regel genau waagerecht zum Boden angebracht sein. Dadurch wird eine gleichmäßige Druckverteilung erzielt und der Entstehung von schmerzhaften Druckstellen vorgebeugt. Mit Hilfe einer Wasserwaage kann die waagerechte Position optimal eingestellt werden. Doch auch für die Sattelneigung gibt es Spezialfälle: Ist der Lenker tiefer gesetzt, sollte auch die Sattelspitze ein wenig nach unten geneigt sein, weil dann die Oberschenkel durch das Vorkippen des Beckens mehr Freiraum vor der Brust haben. Bei Druckbeschwerden im Bereich der Harnröhre ist dies auch hilfreich, weil dadurch die Belastung mehr auf die Gesäßknochen verteilt wird. Man muss wissen, dass der Biker mit abgeneigter Sattelspitze bei hoher Trittfrequenz fast zwangsläufig nach vorne gleitet; allerdings hat er auch den Vorteil, dass er sich beim Anstieg am Berg besser am Sattel abstützen kann.
Falls der Lenker höher gestellt wird, ermöglicht ein leichtes Anheben der Sattelspitze insgesamt eine bessere Sattelführung. Bei Druckbeschwerden an den Gesäßknochen verhindert die Neigung nach oben eine gleichzeitige Belastung des Dammbereichs und macht das Sitzen komfortabler.
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