
Technikseminar

Regina Marunde

Technikseminar

Technikseminar
Die richtige Fahrtechnik
bike2b-Redaktion am 29.11.2006 - 17:16 Uhr
Im dritten Teil unseres Mountainbike-Specials beschäftigen wir uns mit grundlegenden Fahrtechniken für ein besseres Handling und mehr Sicherheit auf dem Bike. Mit ein wenig Übung stürzt man bald beherzt Steilhänge hinunter, anstatt zu schieben, und hält auch auf kurvigen Singletrails die Balance. Wen der Ehrgeiz gepackt hat, kann Tricks lernen, die auch im Gelände nützlich sind: Zum Beispiel springt man beim 'Bunny Hop' über ein Hindernis oder fährt beim 'drop in' eine Treppe hinab - mit der richtigen Technik ist einiges möglich und die Freude an der Herausforderung macht das Biken zum nicht endenden Abenteuer!
Sicherheitsaspekte für Anfänger wichtig
Um solche Tricks und Kunststücke irgendwann zu meistern, müssen zuerst allerdings die Grundlagen der Fahrtechnik sitzen. MTB-Expertin Regina Marunde erklärt, dass für Anfänger der Sicherheitsaspekt am Wichtigsten ist: "Die meisten Menschen machen sich gar keine Gedanken darüber, wie sie eine Kurve am besten anfahren, sich im tiefen Sand auf dem Bike bewegen, das Gewicht in Kurven oder auch beim bergauf oder bergab verlagern sollten und wie ihr Rad reagiert. Deswegen werden sie auch oft von Stürzen überrascht. Auch der richtige Einsatz der Schaltung, also rechtzeitiges Schalten, will wohl überlegt sein. Dass aber auch im Alltag - beim Fahren zur Arbeit oder zum Einkaufen ein sicheres Fahren notwendig ist und Unfälle vermeiden kann, sollte in das Bewusstsein der Radler übergehen." Regina Marunde muss es wissen: Zweimal war sie Deutsche Meisterin im Cross Country und gibt auch nach ihrer aktiven Karriere Seminare in richtiger Fahrtechnik.
Erst Kontakt mit den Klickpedalen, dann Technik
Vor dem Losradeln übt der absolute Bike-Neuling das Ein- und Ausrasten der Klickpedale, denn beim Umfallen mit eingeklickten Schuhen zieht man sich im Ernstfall schwere Arm- und Schulterbrüche zu. Regina Marunde sagt zum Erstkontakt mit Klickpedalen: "Man muss sich ein bisschen umstellen, kommt aber schnell rein. Für den Straßenverkehr würde ich es nicht empfehlen, aber im Gelände fährt man viel sicherer damit." Der Klick-Mechanismus ist simpel: Durch eine Drehbewegung des Fußes rasten die Schuhplatten ('Cleats') in die Verankerung im Pedal ein, und lassen sich durch Drehen in die andere Richtung wieder lösen. Am Anfang macht man es sich leichter, indem man die Auslösehärte der Pedalfedern sehr weich einstellt. So bekommt man den Fuß schnell frei und braucht keine Angst vor Stürzen zu haben. Wenn das Ein- und Ausklicken erst sicher beherrscht wird, erhöht der Biker die Auslösehärte für einen festeren Stand auf den Pedalen und fängt an, an der Technik zu arbeiten.
Bei der Fahrtechnik kommt es auf folgende Fertigkeiten an:
- Gleichgewicht halten
- Schalten
- Bremsen
- Uphill
- Downhill
- Kurventechnik
"Es sollten alle genannten Punkte geübt werden. Das 'eins werden mit dem Bike' - also eine gute Balance und das richtige Bremsen sollten als erstes verinnerlicht werden," so die Expertin Marunde. Ein Patentrezept um Stürze zu vermeiden, gibt es nicht, da hilft nur: "üben, üben, üben - und am besten zum Fahrechnikseminar anmelden."
Gleichgewicht spielt wichtige Rolle
Neben dem Lenken ist das Gleichgewichthalten der wichtigste Faktor für gutes Handling auf dem Bike. "Mit den Anfängern fahren wir zum Beispiel Slalom um Hütchen, später kann man auch eine Flasche vom Boden aufheben, ohne abzusteigen". Weitere Übungen sind, die Hände vom Lenker zu nehmen oder auf weitläufigem Gelände ohne Verletzungsgefahr kurz die Augen zu schließen. Fortgeschrittene lassen sich mit geschlossenen Augen von einem Partner führen, der dicht hinter ihnen fährt und Anweisungen gibt wie: rechts, links, geradeaus, langsamer, schneller, Augen auf. Auch der Stehversuch auf dem Rad eignet sich zum Entwickeln von Koordination und Balance. Dazu drückt man das Vorderrad gegen ein Hindernis, beispielsweise einen Baumstamm, hebt sich aus dem Sattel und verteilt das Gewicht gleichmäßig auf die Pedale. Die Beinstellung ist idealerweise leicht geöffnet und die Hüfte befindet sich mittig über dem Rad. Zur Variation übt man den freien Stand ohne ein Hindernis, im Stehen oder Sitzen und experimentiert mit dem Bremsen sowie ausgleichenden Bewegungen des Lenkers.
Der richtige Umgang mit der Schaltung
Für einen geschmeidigen Fahrstil ist auch der richtige Umgang mit der Schaltung entscheidend. Zur Einstellung der Übersetzung sagt die Expertin: "Es kommt immer auf die Trainingseinheit an - wenn man kraftorientiert fahren möchte, ist natürlich ein schwerer Gang notwendig. Im Allgemeinen sollte aber erst einmal frequenzorientiert trainiert werden, um später dann die Koordination und auch die erworbene Kraft umzusetzen." Anfangs gilt es also, in niedrigen Gängen mit vielen Umdrehungen zu fahren. Der Zeitpunkt des Schaltens sollte immer der Situation angepasst sein und vor allem rechtzeitig erfolgen, zum Beispiel vor einer engen Kurve, einem Hindernis oder einem Anstieg. Um die Zahnräder und Ritzel zu schonen, reduziert der Biker während des Schaltens den Druck auf die Pedale und achtet darauf, keine großen Gangsprünge zu machen. Gerade das Schalten am Berg erfordert Übung, um es ohne 'Knirschen' hinzubekommen - dazu entlastet man die Pedale und erhöht erst dann den Tretdruck. Anfangs ist es sinnvoll, alle Gänge einmal durchzuschalten, um sich mit den Unterschieden in der Übersetzung vertraut zu machen.
Bremsen wohl dosiert nutzen
Beim Bremsen kommt es vor allem auf das sanfte Dosieren an, damit die Räder nicht blockieren und man eventuell stürzt. Dies geschieht viel schneller beim Hinterrad, weil etwa zwei Drittel der Bremskraft auf das Vorderrad wirken, und nur ein Drittel auf das Hinterrad. Der Biker muss wissen, wie die Bremshebel den Rädern zugeteilt sind, meistens befindet sich die Vorderradbremse links und sollte vorsichtig verwendet werden.
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