
Rene Tann

Rene Tann

Rene Tann
Die unappetitliche Rückseite des Wettergottes
A. Küstenbrück/bike2b am 30.05.2007 - 13:17 Uhr
Die Schlammschlacht von Offenburg endet für den Suhler Mountainbiker René Tann mit Platz 47 - der gleichen Platzierung, die er schon beim World-Cup-Auftakt im belgischen Houffalize erreicht hatte.
Tann erst nach zweieinhalb Stunden im Ziel
Ein heftiger Regenschauer ging kurz nach dem Start des zweiten Cross-Country-World-Cups der Mountainbiker über das badische Offenburg nieder und setzte den 5,3 Kilometer langen Rundkurs am Rande des Schwarzwaldes, die Zuschauer und die Fahrer unter Wasser. Die Folge waren nicht nur komplett eingeschlammte Fahrer und auch teilweise ziemlich dreckige Zuschauer, sondern auch viele Stürze auf den nun äußerst rutschigen Wurzeln der anspruchsvollen Strecke, auf der erstmals ein World Cup ausgetragen wurde - und die von den internationalen Top-Athleten in höchsten Tönen gelobt wurde. Die Folge waren aber auch viele technische Defekte, nachdem der Regen wieder aufgehört hatte. Viele Fahrer rissen sich ihr Schaltwerk ab, als sich der trocknende, nun klebrige Schlamm in den Ritzeln und Zahnrädern festsetzte. Auch der Suhler Tann blieb davon nur teilweise verschont. "Zum Glück habe ich mir mein Schaltwerk nur verbogen", stellte er nach der Zielankunft erleichtert fest. Ein Abriss hätte wie bei vielen anderen Fahrern das sichere Aus bedeutet. So konnte er zumindest weiterfahren und erreichte nach der unglaublich langen Fahrzeit von 2:31:15 Runden das Ziel. Die Rennleitung hatte trotz der widrigen äußeren Bedingungen die Rundenanzahl nicht verkürzt, sodass allein die Siegerzeit von Weltmeister und Olympiasieger Julien Absalon bei 2:18:54 Stunden lag - fast eine halbe Stunde länger als bei jedem anderen UCI-notierten Rennen im olympischen Cross-Country-Format.
Nach der Startrunde auf Rang 14
"Heute hat uns der Wettergott seine unappetitliche Rückseite gezeigt", konstatierte Tann nach dem Rennen, mit dessen Ausgang der Sportsoldat keineswegs zufrieden war. Nachdem er sich in der Startrunde auf Rang 14 katapultiert hatte, wurde er durch einen Sturz schon in der ersten Runde weit zurückgeworfen. Auf Platz 32 kämpfte er sich nun durch Schlamm und Zuschauermassen - laut Veranstalterangaben waren über 20.000 Menschen aus Deutschland, Frankreich, Belgien und der Schweiz in das kleine Weindorf Rammersweier bei Offenburg gekommen, um beim einzigen deutschen World Cup live mit dabei zu sein.
Körperlich geht es bei Tann bergauf
"Körperlich ging es mir halbwegs gut", freute sich Tann, der immer noch unter den Folgen eines Trainingssturzes beim Bundesliga-Lauf in Heubach Anfang des Monats zu leiden hat. "Aber dank der Behandlung durch den Physiotherapeuten des Bundes Deutscher Radfahrer Bodo von Unruh am Samstagabend und einem Tape-Verband am Nacken waren die Schmerzen erträglich", konnte Tann trotz der eingeschränkten Vorbereitungsmöglichkeiten zumindest auf eine halbwegs zufriedenstellende körperliche Verfassung zurückgreifen. Stattdessen bereitete ihm das verbogene Schaltwerk und auch die Reifen Probleme. "Solange es wirklich nass war, waren die Vredestein-Reifen optimal", berichtete Tann nach dem Rennen. "Als es aber abtrocknete, hatte ich mit den Regenreifen kaum noch Grip, weder bergauf noch bergab. Aber das ging wohl den meisten so." Die Folge: "Ich konnte meine Kraft nicht mehr auf den Boden bringen. Zum Schluss ging es nur noch darum, halbwegs ordentlich ins Ziel zukommen."
Ehrgeizige Ziele für den World Cup in Champery
Das gelang dem Suhler, der im Trikot des niederländischen Teams De Brink-Ten Tusscher unterwegs ist, aber gar nicht so schlecht, wie er es nach dem Rennen selbst darstellte: Mit dem 47. Platz in der Elite-Klasse bewies er als fünftbester Deutscher und weltweit siebtbester Fahrer in der U23-Klasse seine konstante Form. Trotzdem freut sich Tann nun auf ein paar rennfreie Tage am kommenden Wochenende, ehe in zwei Wochen der dritte World Cup der Saison im südostschweizerischen Champéry, unweit des Genfer Sees gelegen, auf dem Programm steht. "Da will ich wieder richtig fit sein und angreifen. Dann werde ich mich mit Platz 47 nicht mehr zufrieden geben", gibt sich der derzeit beste deutsche Nachwuchsfahrer kämpferisch.
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