
Rene Tann

Tann vor Lakata

Rene Tann

Rene Tann

Rene Tann
Tann gewinnt U23-Mountainbike-Bundesliga
Armin M. Küstenbrück am 22.08.2007 - 08:23 Uhr
Auch das Finale in Bad Salzdetfurth bei Hildesheim konnte der Suhler René Tann für sich entscheiden. Damit gelang ihm nicht nur der Gesamtsieg in der U23-Klasse, sondern auch der fünfte Platz in der Elite-Klasse
Von wegen langweiliges Finale...
Wer erwartet hatte, im sonst wohl eher verschlafenen niedersächsischen Kurort Bad Salzdetfurth ein langweiliges Bundesliga-Finale der Mountainbiker zu erleben, wurde bitter enttäuscht. Drei Wochen vor der Weltmeisterschaft im schottischen Fort William gab sich in dem Kalibergbauort bei Hildesheim ein Großteil der europäischen Weltelite die Ehre: Weltmeister Julien Absalon aus Frankreich war genauso gekommen wie Europameister José Antonio Hermida aus Spanien oder der WM-Silbermedaillen-Gewinner über die Marathon-Distanz Roel Paulissen aus Belgien, der Schwedische Meister Fredrik Kessiakoff war ebenso da wie sein österreichisches Pendant Christoph Soukup. Und natürlich alle deutschen Top-Mountainbiker. Zwar hatte der Deutsche Meister Wolfram Kurschat die Gesamtwertung bereits vorzeitig gewonnen, doch alle nutzten den sechsten und letzten Lauf zur Mountainbike-Bundesliga als ideale Vorbereitung für die anstehende Weltmeisterschaft - und für viele war es auch das letzte Rennen vor dem Saisonhöhepunkt.
Erfolgreicher Formtest für die WM
So auch für René Tann, der vor zwei Wochen seinen 22. Geburtstag feiern durfte. Ähnlich wie Kurschat stand der Deutsche U23-Meister ebenfalls schon als Gesamtsieger der U23-Klasse fest. Dennoch war für den Sportsoldaten, der für das niederländische Team DeBrink-TenTusscher startet, ein wichtiger letzter - und auch erfolgreicher - Formtest für die Weltmeisterschaft, auch wenn in den ersten beiden Runden die Beine noch etwas schwer waren und hinten raus ein wenig die Kraft ausging. "Ich bin auf dem richtigen Weg", bilanzierte Tann nach dem Rennen. "Mein Training ist ganz auf meine letzte U23-Weltmeisterschaft ausgerichtet. Da war nicht zu erwarten, dass ich hier in Höchstform sein werde."
Zuschauer in Höchstform
In Höchstform waren allerdings die vielen tausend Zuschauer, die den 4,3 Kilometer langen Kurs im Vorharz säumten. Sie feuerten die Fahrer in den steilen Anstiegen genauso lautstark an wie sie sich begeistert an den Abfahrtkünsten der Mountainbike-Profis freuten. Unter diesen Bedingungen gelang es Tann bereits früh, sich in der Spitzengruppe festzusetzen. Wie zu Beginn der Saison setzte er sich nach dem neutralisierten Start sofort an die Spitze des international starken Feldes. Dass der Start nicht sofort freigegeben worden war, lag an zwei auf der Hauptstrasse von Bad Salzdetfurth aufgeschütteten Erdhügeln, die zwar für die Fahrer keine technische Schwierigkeit darstellten, im Gedränge der Startphase aber schnell zu Stürzen hätten führen können. So wurde der Start von den Führungsmotorrädern erst freigegeben, als das Feld diese Engstelle passiert hatte. "Das war eine sinnvolle Idee", lobte Tann die ungewöhnliche Maßnahme des Rennkommissärs des Weltradsportverbandes UCI, unter dessen Aufsicht das Bundesliga-Finale stattfand.
Am Ende fehlte die Kraft
Während der ersten Hälfte des Rennens versuchte Tann immer wieder, seine Grenzen auszuloten: "Dabei habe ich sicherlich auch manchmal ein bisschen zu viel Gas gegeben, selbst bergab habe ich mich kaum erholt und habe immer einhundert Prozent gegeben." Mit konstanten Rundenzeiten pendelte er sich zunächst um Platz zehn ein, kämpfte sich zwischendurch sogar bis auf Rang acht vor. "In den letzten drei Runden ging mir dann aber ein bisschen die Kraft aus", stellte Tann nach dem Rennen fest. Zunächst war es der ehemalige Deutsche Meister Lado Fumic, der an Tann vorbei ging: "Ich musste ihn ziehen lassen, denn Lado ist so unrhythmisch gefahren - mal schnell, mal langsam." Deswegen änderte sich zunächst ständig der Abstand zwischen den beiden deutschen Nationalfahrern, ehe Fumic doch endlich davonfahren konnte. Auch der Österreicher Alban Lakata zog noch an Tann vorbei - und fast hätte es noch mit einer Top-Ten-Platzierung geklappt, wenn nicht in der letzten Runde auch Karl Platt noch Tann überholt hätte. "In der letzten Runde ist mir wirklich die Kraft ausgegangen - und Karl gehört zu jenen Fahrern, die noch einmal richtig Gas geben können, wenn sie einen Gegner vor sich sehen."
In der deutschen Spitze angekommen
So blieb am Ende nur Rang elf - in dem international hochklassigen Feld von Bad Salzdetfurth aber dennoch kein schlechtes Ergebnis für den derzeit besten deutschen Nachwuchsfahrer. Dies unterstrich Tann mit dem deutlichen Tagessieg in der U23-Klasse. Dass er auch mit seinen konstanten Leistungen den Anschluss an die deutsche Elite gefunden hat, zeigt aber in erster Linie sein fünfter Platz in der Gesamtwertung der Eliteklasse - und das, obwohl er nach seinem schweren Trainingssturz in Heubach sogar dieses Rennen ausgelassen hatte und so nur fünf Platzierungen aus sechs Rennen zu Buche standen. "Das freut mich richtig", strahlte der Suhler im Ziel.
Besser als bei der EM abschneiden
Jetzt stehen für Tann noch zwei harte Trainingswochen auf dem Programm, ehe der Suhler mit der Nationalmannschaft am 31. August nach Schottland reisen wird, um sich dort mit der WM-Strecke in den Highlands vertraut zu machen. Höhepunkt des Jahres soll dann die U23-Weltmeisterschaft am 7. September sein. Man darf gespannt sein, ob sich Tann dann auch international etablieren kann: Mit seinem elften Platz bei der Europameisterschaft in der Türkei vor wenigen Wochen war Tann sichtlich nicht zufrieden. "Das soll sich in Schottland ändern", zeigt sich der Suhler optimistisch.
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