In der Folge immer neuer Dopingskandale gehen Herbert Schmied, Sportwart der Radabteilung des SV Kirchzarten und Daniel Berhe der Teammanager im mehrfach für seine Nachwuchsarbeit geehrten Traditionsverein auch hier professionelle Wege. Jüngst wurde die Radabteilung des SV Kirchzarten vom Deutschen Olympischen Sportbund und der Dresdner Bank mit dem Grünen Band für vorbildliche Talentförderung im Verein für 2007 geehrt.
Fahrer stellen defintiv eine Risikogruppe dar
So gewann Daniel Berhe den Freiburger Sportpsychologen Benjamin Fischer, zu dessen Klienten ohnehin prominente MTB-Profis zählen, für ein Dopingpräventionsprojekt. Zielgruppe sind diejenigen Junioren und U-23-Fahrer im Team des SV Kirchzarten, die den National- und Landesverbandskadern angehören. "So sehr wir unseren Fahrern vertrauen, wäre es fahrlässig zu übersehen, dass junge, männliche Radsportler, die gewisse Karrierechancen haben definitiv eine Risikogruppe darstellen. Statistisch gesehen ist es nicht unwahrscheinlich, dass einer meiner Jungs früher oder später Elitefahrer oder Profi und als solcher in Versuchungssituationen geraten wird. Es gehört deshalb zu meiner Pflicht, die Jungs auf das vorzubereiten, was ihnen in ihrer Karriere zwangsläufig begegnen wird", so Berhe.
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Pädagogischer Zeigefinger bringt nichts
"Die beste Versicherung gegen Doping sind Athleten, die kritisch denken, über ihr Handeln reflektieren und ein Problembewusstsein haben", fügt der Sportpsychologe Benjamin Fischer hinzu, der selbst aktiver Rennfahrer ist. "Appellative Kampagnen, die mit dem pädagogischen Zeigefinger geführt wurden, etwa Antiraucher- oder Antidrogenkampagnen haben noch nie große Erfolge gehabt. Es sei blauäugig weiterhin zu glauben, man könne Athleten vom dopen abhalten, bloß weil man ihnen sagt, dass es verboten und schlecht für ihre Gesundheit sei und sie davor warnt erwischt zu werden." Nein, mit den Mädchen und Jungen werden kritische Fragen diskutiert, die dazu geeignet sind Einblick in die psychosozialen und soziologischen Zusammenhänge des Dopings zu gewinnen und eine eigene Einstellung und Werthaltung zu entwickeln, die es ihnen ermöglicht in Versuchungssituationen "nein" zu sagen. Zum Beispiel "Warum ist Doping nur Sportlern untersagt?" oder "Haben Sportler im Krankheitsfall das Recht, Medikamente, die auf der Dopingliste stehen, zu verwenden?" oder "Sind gedopte Sportler Opfer oder Schuldige?".
Besinnen auf die eigentlichen Grundwerte des Sports
Nicht die negativen Folgen des Dopings sollen im Mittelpunkt stehen, sondern das positive Erlebnis und die innere Bereicherung, die mit dem Sport verbunden und dem Doping entgegengesetzt sind. Es geht also darum, sich auf die eigentlichen Grundwerte im Sport zu besinnen. Damit stellt das Projekt keineswegs das Streben nach der bestmöglichen Leistung und nach Sieg in Frage; sie unterstützt vielmehr die Einsicht, dass ein durch Doping erzwungener Sieg kein echter Sieg ist.
Skandalierung bringt größten Impulse
Benjamin Fischer betont, dass das Dopen von jeher zur Tradition des Straßenradsports gehöre (ähnlich übrigens wie im Pferderennsport), und dass das einer von vielen Gründen sei, warum dieses System sein Problem wahrscheinlich nicht selbst, quasi von innen heraus, wird lösen können. So leid es ihm um die Einzelschicksale tue, habe die Vergangenheit doch gezeigt, dass die öffentliche Skandalierung, wie er sie in Freiburg erlebe, neben strengeren Kontrollen und fundierter Prävention die größten Impulse in Richtung eines sauberen Sports gegeben hätten.
"Unser Tuning heißt Training"
Der Mountainbike-Sport habe zum Glück keine Dopingtradition. Er habe sich aus den Fun-Sportarten BMX und Downhill heraus neu entwickelt, zu deren "Lifestyle" das Dopen nicht gehörte. Berhe, Fischer und das Nachwuchsteam des SVK werden gemäß dem Motto: "Unser Tuning heißt Training" daran arbeiten, dass das auch weiterhin so bleibt. Dieses Projekt wird freundlicherweise vom Olympiastützpunkt Freiburg-Schwarzwald unterstützt. Dieser und weiterer sportpsychologische Service für Kaderathleten und Selbstzahler kann nachgefragt werden. Kontakt sportpsychologischer Service und Personal Training:
Kontakt SV Kirchzarten: und