
Kartuschenkönig

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Der Kartuschenkönig
Till Gottbrath am 15.06.2007 - 20:05 Uhr
Wenn ich mich mit Freunden zu Hause verabreden will und ihnen vorschlage, eine 98 km Mountainbike-Tour mit 2.250 Höhenmeter zu fahren, dann finde ich nur wenige Leute, die begeistert ja sagen. Hier und heute sind diese Zahlen so, dass man denkt: "Keine 100 km und keine 2.500 Höhenmeter – ist ja ein gemütlicher Tag..." Die Verhältnisse verschieben sich irgendwie.
Holger wieder wesentlich stärker
Holger konnte sein gestriges Abendessen zum Glück vollständig bei sich behalten und so war er heute wieder wesentlich stärker. Zwar noch nicht so wie an den Tagen eins, zwei und vier, aber doch so gut, dass mein Durchschnittspuls 129 betrug. Gestern lag er bei 120, was eigentlich nichts mit einem Radrennen zu tun hat, sondern eher mit einer Kaffeefahrt per Bike.
Zur Sicherheit drei Patronen
Nach Holgers Riss im Rahmen – er fährt jetzt übrigens auch ein Fully, das Ersatzrad von den Fahrtwind-Jungs – hatten wir heute wieder mal Materialprobleme. Ganz banal: ein Platten. Aber dieses eigentlich unscheinbare Malheur sorgte doch für etwas Aufregung: Holger hatte nämlich entschieden, dass wir anstatt einer Luftpumpe drei Druckluftkartuschen mitnehmen. Mir erschienen die Dinger von Anfang an suspekt, weil man nur einen "Schuss" hat. Aber Holger entgegnete: "Das passt schon. Es geht superschnell und zuverlässig. Ich nehme zur Sicherheit drei Patronen mit. Ich habe damit noch nie Probleme gehabt!" Bis heute... Die ganze schöne Druckluft zischte laut vernehmbar in die Atmosphäre und nicht in meinen Ersatzschlauch. Da haben wir ganz schön dumm geschaut und mussten peinlicher Weise das nächste Team um Hilfe anbetteln. Der Biker hielt auch – ich glaube es war jemand vom Team "Pulskiller" mit einem weiß-roten Trikot; nochmals vielen Dank an dieser Stelle, das war supernett! – aber Sekunden später rollten auch Uwe und Rolf von Team
Craft Modi-Sport zusammen mit Marcel Nakken als Überrest des holländischen
Craft Teams ein und drückten uns ihre Pumpe in die Hand. Der Pulskiller brauchte seine Hilfsbereitschaft nicht mit Zeitverlust zu bezahlen. Mit Pumpe ging es dann. Danke auch an die "Modi-Jungs" - das ist Kameradschaft!!!
Wie ein Kater auf Samtpfoten
Aber auch das hielt nicht ewig: Auf der letzten Abfahrt, circa 3 km vor dem Ziel, merkte ich auf einmal, wie mein Hinterbau schwammig wurde. Kurzer Stopp, Druck gefühlt – ein Schleicher. Ganz langsam kroch hier irgendwo wieder die Luft raus. Da Holger auf der vorletzten Steigung etwas zurückgefallen war, beschloss ich, jetzt keine Rücksicht auf ihn zu nehmen, weil es für uns als Team besser ist, wenn ich noch mit möglichst viel Luft im Reifen möglichst nahe ans oder gar ins Ziel komme. Und zwar so schnell wie es geht! Also rollte ich sanft und mit schwänzelndem Hinterbau die Abfahrt hinab, um dann die letzten beiden Kilometer Aufstieg nach Schöneck im Wiegetritt und mit einem Puls von über 160 hochzuballern. Vollgas, Vollgas, Vollgas! Es war ein Rennen gegen den Schleicher. Die letzten 400 Meter führten über Kopfsteinpflaster, wo ich dann bemerkte, wie der Reifen anfing durchzuschlagen... Also machte ich mich so leicht ich konnte und schlich wie ein Kater auf Samtpfoten dem Ziel entgegen – und schaffte es gerade so!
Holger hat Spötter auf seiner Seite
Da die Teams immer zusammen ankommen müssen, wartete ich vor der Ziellinie auf Holger. Großes Geschrei: "Wo ist Holger? Sturz? Panne?" – "Keine Angst er kommt gleich." Und nach drei oder vier Minuten kam er auch. Später stellte er im Ziel fest, dass seine Kartuschen und der Fülladapter gar nicht zusammen passten – der Knaller. Heute hat er die Spötter allesamt auf seiner Seite.
Motivation für fünf Sekunden
Ansonsten noch ein Dankeschön ans KGK-Büro: Wie habt ihr die Anfeuerung auf die Straßen geschrieben beziehungsweise schreiben lassen? Das war nett und ich habe mich echt gefreut. Und es hast uns dank erhöhter Motivation mindestens fünf Sekunden gebracht.
Tag sieben nicht der schönste Tag
Noch ein paar letzte Worte zur Strecke: Recht viel Asphalt, sehr viele Feldwege durch heiße Raps- und Getreidefelder, ein paar nette Trails und auch eine ganze Menge ebenso wurzeliger wie schlammiger Waldwege. Nicht der schönste Tag, aber OK.
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