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Harald Kaske

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300 km mit dem Fahrrad gegen sich selbst

Harald Kaske am 10.07.2007 - 14:36 Uhr

In Schweden findet alljährlich kurz vor der Sommersonnenwende eins der größten Radsportereignisse der Welt mit 17.000 Teilnehmern statt. Ein Ultramarathon über 300 Kilometer um den zweitgrößten See des Landes, den Vaetternsee. Zum dritten Mal stand in diesem Jahr die Vaetternrundfahrt in meinem Terminkalender. Aber in diesem Jahr war alles anders.

Keine optimale Vorbereitung
Ich war am 3. März bei einer Trainingsfahrt bei leichtem Regen an einer Schiene der Buckower Kleinbahn jämmerlich gescheitert – der gebrochene Oberarm voller Schrauben ließ sämtliche Hoffnungen auf eine optimale Vorbereitung in diesem Jahr im Keim ersticken. An Training war erst mal nicht zu denken. Der Chirurg war aber zuversichtlich, dass seine Arbeit nicht den Ausschlag bei der Entscheidung über die Teilnahme geben würde - eher der mangelnde Trainingszustand oder während der Tour auftretende Schmerzen. Die Streckenlänge von 300 Kilometern erfordert nun mal einen optimalen Gesundheitszustand. Bis Ende April war Schonung angesagt. Nur leichtes Jogging und Hometrainer waren erlaubt. Dann ging es langsam mit Spinning bei U.S. Sport in Strausberg los, und ab Mitte Mai gab’s grünes Licht für leichtes Training auf der Straße. Dazu hatte ich mir ein Fahrrad umgebaut, eine aufrechte Sitzposition sollte den Oberarm entlasten. Langsam wurden die Touren länger. Aber der Termin für den Ultramarathon rückte sehr schnell näher. Dann war es soweit, ich hatte getan was möglich und vertretbar war, aber ich war mir nicht sicher, ob das Training ausreichen würde. Aber ich wollte es versuchen, hatte meine Anmeldung nicht zurückgezogen. Diese hatte ich schon im Januar abgesendet, da die Startplätze schon im Frühjahr knapp werden. Das Limit liegt bei 17.500 Teilnehmern und war am 26. März bereits erreicht.

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Mulmig im Magen beim Anblick des Sees
Als wir dann am 14. Juni in Schweden ankamen, empfing uns der Vaetternsee mit Wellengang und Schaumkämmen, das Wetter war wenig einladend. Schon das Zelte aufbauen war bei dem Wind ein kleines Kunststück. Gegen Abend frischte der Wind dann noch weiter auf, sodass manch ein Vorzelt oder Pavillon sich selbständig machte. Der Blick auf den See im Sonnenuntergang verhieß nichts Gutes. Und ich hatte dank zweijähriger Überzeugungsarbeit zwei Vaettern-Neulinge dabei! Denen war schon beim bloßen Anblick des riesigen Sees mulmig in der Magengegend geworden - unsere Anreise hatte uns schon mehr als 100 km an seinem Ufer entlanggeführt und ich hatte gelegentlich erwähnt, wann wir in der nächsten Nacht ungefähr wieder vorbeikommen würden – mit dem Fahrrad!

Topf Nudeln als Startvorbereitung
Unsere Zelte hielten, und als wir am nächsten Morgen aufstanden, hatte sich der Wind gelegt und die Sonne schien. Die Bedingungen waren ideal. Nach dem Frühstück fuhren wir mit dem Auto zur Anmeldung nach Motala. Die Startnummernausgabe klappte wie immer reibungslos. Das ist schon erstaunlich, bei der Anzahl der Teilnehmer. Nachdem ich das obligatorische T-Shirt gekauft hatte ging es zurück zum Zeltplatz. Es war Zeit für die letzten Handgriffe an den Rädern. Und für ein Mittagsschläfchen, schließlich wollten wir um 22:02 Uhr ausgeruht am Start erscheinen. Als Startvorbereitung wurde später ein großer Topf Nudeln gekocht und restlos verspeist. Und es wurde darüber diskutiert, welche Bekleidung denn wohl am günstigsten wäre. Die Nachttemperaturen waren mit 5-6 Grad angekündigt. Bei einer gefahrenen Geschwindigkeit von 20–25 km/h entspricht das einer gefühlten Temperatur unter 0 Grad!


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