Interview mit Bärbel Jungmeier - "als Sportlerin ernst genommen"
bike2b-Redaktion am 25.02.2008 - 10:40 Uhr
Österreich hat für das Damenrennen bei den Olympischen Spielen 2008 nur einen Startplatz. Bärbel Jungmeier vertrat das Alpenland bereits vor vier Jahren und möchte natürlich gerne nach Peking reisen. Seit sie bei Olympia war, wird sie "als Sportlerin ernst genommen".
bike2b.com: In diesem Jahr finden in Peking die Olympischen Sommerspiele statt. Was macht für dich die Faszination Olympia aus?
Bärbel Jungmeier: Olympische Spiele sind das größte weltweite Sportereignis; wenn ich mich nicht irre, sind bei Olympischen Spielen mehr Nationen vertreten als in der UNO - das heißt schon was. Mich begeistert nach wie vor die Leitidee, dass Menschen aus verschiedendsten Kulturen ihre sportlichen Vergleichskämpfe austragen und für zwei Wochen als eine große Familie im Olympischen Dorf miteinander leben.
bike2b: Du hast selbst schon an Olympischen Spielen teilgenommen. Was bedeutet es für einen Sportler beim größten Sportevent der Welt dabei zu sein?
Bärbel: Mit der Teilnahme an den Spielen von Athen ist für mich ein Traum in Erfüllung gegangen! Es war etwas ganz Besonderes! Seit meiner Teilnahme habe ich das Gefühl, als Sportlerin ernst genommen zu werden - Olympische Spiele sagen (fast) jedem etwas und eine Teilnahme kann sich durchaus im beruflichen Lebenslauf sehen lassen.
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bike2b: Österreich hat nur einen Startplatz bei den Damen. Wie schätzt du deine Chancen ein, bei Olympia dabei zu sein?
Bärbel: Gleich gering/groß wie vor vier Jahren - da war ich auch klare Außenseiterin! Im Moment visiere ich ausschließlich die Qualifikationsrennen an - die Limits sind sehr hart und erfordern meine ganze Konzentration.
bike2b: Wie sehen die Nominierungskriterien in Österreich aus?
Bärbel: Wir müssen bei vier festgelegten Wettkämpfen jeweils ein A-Limit und ein B-Limit bringen: WC Houffalize und Offenburg (Top 8/12), EM St.Wendel (Top 10/15) und WM Commezzadura (Top 12/20).
bike2b: Seit dem vergangenen Herbst trainierst du in Eigenregie. Was bedeutet das für dich? Welche Vorteile oder auch Nachteile siehst du darin?
Bärbel: Die letzten Jahre verliefen für mich teilweise sehr enttäuschend - zuviele Experimente! Ich wollte in meinem (voraussichtlich) letzten (Profi-) Trainingsjahr einmal ganz und gar so trainieren, wie ich mir das vorstelle. Ich baue alles ein, von dem ich weiß, dass es mich in all den Jahren vorwärts gebracht hat. So werde ich mir nie vorwerfen können, es nicht auch einmal auf eigene Faust versucht zu haben. Ich bin bereit, auch die volle Verantwortung dafür zu übernehmen. Vorteil ist sicher die größere Flexibilität, ich kann mich ein wenig an der Tagesverfassung, Wetter etc. orientieren. Nachteil ist, dass ich die Belastung nicht immer zu 100% einschätzen kann und dann eher zum "zu viel Trainieren" neige. Darum ist mir wichtig, dass meine ehemalige Trainerin Dr.Andrea Podolsky ein supervidierendes, wachsames Auge auf mich hat und mich gegebenenfalls einbremst.
bike2b: Am Olympiatestrennen hast du nicht teilgenommen. Kennst du die olympische Strecke denn trotzdem bereits? Wenn ja, wo siehst du die Schwierigkeiten und die entscheidenden Kriterien?
Bärbel: Das Olympiatestrennen kam für mich ja aus verschiedendsten Gründen nicht in Frage - das ist auch ok für mich! Ich kenne die Strecke aus Beschreibungen und denke, dass ich Erfahrung genug habe, um mich im Falle des Falles gut darauf einstellen zu können.
bike2b: Wer zählt in deinen Augen zu den Medaillenanwärtern im olympischen Rennen?
Bärbel: Auf jeden Fall die Medaillengewinnerinnen von Athen (Dahle, Premont und Spitz). Kalentieva ist sicher auch zu favorisieren; tja, und natürlich auch die Chinesinnen - sie beweisen ja schon seit zwei Jahren, wie wichtig ihnen ein erfolgreiches Abschneiden bei den Heimspielen wäre.
bike2b: Die langfristige Vorbereitung auf Peking läuft ja schon länger. Wie hat sich dein Trainings- und Wettkampfplan im Gegensatz zu den anderen Jahren verändert?
Bärbel: Wie schon gesagt, ich versuche alle Elemente zu integrieren, von denen ich überzeugt bin, dass sie mich stark machen: das sind viel Krafttraining, viel Technik- und Koordinationstraining und ein umfangreiches Grundlagentraining auf hohem Nieveau. Neu und besonders konstruktiv ist das gemeinsame Training mit meinem Teamkollegen Michi Weiss. Damit kann ich die Qualität jeder einzelnen Einheit steigern, es stärkt die Motivation und wir haben viel Spaß dabei.
bike2b: Welches Ziel hast du dir für die Olympischen Spiele gesetzt, sofern du dich qualifizierst?
Bärbel: Darüber mache ich mir Gedanken, wenn es soweit ist... Die Marke liegt auf jeden Fall auf 14., meinem Ergebnis von Athen.
bike2b: Wir bedanken uns für deine Zeit und wünschen dir viel Erfolg in der Saison 2008!
Bärbel: Danke auch Euch!