Interview mit Nina Wrobel - "meine Chancen stehen bei einem Drittel"
bike2b-Redaktion am 10.03.2008 - 08:46 Uhr
Nina Wrobel, ehemals Göhl, hat ein in sportlicher Sicht eher verkorkstes Jahr 2007 hinter sich. Auch der Start in das olympische Jahr lief mit einer Grippe im Teamtrainingslager auf Mallorca nicht rund. Dennoch ist die Multivan-Merida-Bikerin zuversichtlich, die Nominierungskriterien des BDR zu schaffen. Sie selbst sieht ihre Chance bei einem Drittel.
bike2b.com: In diesem Jahr finden in Peking die Olympischen Sommerspiele statt. Was macht für dich die Faszination Olympia aus?
Nina Wrobel: So richtig kann ich mir gar nicht vorstellen, was die Olympischen Spiele so besonders macht, da ich ja noch nie dabei war. Aber ich finde es einfach faszinierend, so viele Sportarten und Nationen auf einem Fleck zu haben. Das muss schon eine ganz besondere Atmosphäre sein.
bike2b: Was bedeutet es für dich und deiner Meinung nach für einen Sportler allgemein beim größten Sportevent der Welt dabei zu sein?
Nina: Falls ich dabei sein werde, ist es für mich etwas Besonderes, mein Land dort als Sportlerin vertreten zu dürfen. Ich denke, dass macht die Olympischen Spiele auch so besonders, dass man zusammen mit den anderen Sportarten als Nation kämpft. Es ist ein großes Miteinander. Da die Nominierungskriterien schon sehr hoch angesetzt sind, bedeutet es auch ein hartes Stück Arbeit dort teilnemen zu dürfen. Deshalb fährt man, glaube ich, auch mit einem ganz besonderen Gefühl dort hin, weil man weiß, dass es es etwas Besonderes ist, bei Olympischen Spielen dabei zu sein. Weil es eben nur wenige schaffen.
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bike2b: Wie schätzt du die Nominierungskriterien des BDR ein?
Nina: Ich finde sie gut. Es ist nicht unmöglich das zu erreichen, doch auch nicht gerade mit links zu schaffen. Somit wird sich nur jemand nominieren, der auch wirklich gut fährt und am olymischen Rennen auch Chancen hat, vorne dabei zu sein. Auch das Punktesystem, das einen Platz zum Beispiel unter den ersten Sechs weitaus höher bewertet als etwa zweimal unter die ersten 15 zu kommen. Denn wer schon bei den Nominierungsrennen vordere Platzierungen einfährt, zeigt damit, dass er auch entsprechende Endkampfchancen hat. Allerdings sind die Kriterien natürlich nur solange gut, wie sie dann auch eingehalten werden...
bike2b: Deutschland hat zwei Startplätze bei den Damen. Sabine Spitz ist bereits vornominiert. Wie hart wird der Wettbewerb unter den anderen Bikerinnen? Wie siehst du da deine Chancen?
Nina: Also meiner Einschätzung nach sind es drei Fahrerinnen, die um den zweiten Platz kämpfen. Somit stehen meine Chancen rein rechnerisch bei einem Drittel. Da ich letztes Jahr sehr viele Probleme hatte und auch das Wintertraining nicht optimal verlief, wird es für mich schon ein harter Kampf werden. Doch läuft das Training nun endlich recht gut und wenn jetzt nichts mehr dazwischen kommt, sollte die Zeit ausreichen, um noch rechtzeitig zu den Nominierungsrennen in Form zu kommen. Und wenn ich die Form habe, müsste ich die Kriterien eigentlich schaffen. Das habe ich ja in den letzten Jahren bewiesen. Doch weiß ich natürlich nicht, wie stark meine Mitstreiterinnen dieses Jahr sein werden. Somit wird es ein spannender Kampf werden :-)...
bike2b: Wer zählt in deinen Augen zu den Medaillenanwärterinnen im olympischen Rennen?
Nina: Wenn Gunn-Rita Dahle wieder die Stärke aufweist wie in den letzten Jahren, ist sie auf jeden Fall eine meiner Favoritinnen. Dann natürlich Sabine Spitz und Irina Kalentieva. Tja, und bei den Chinesinnen weiß man ja auch nie, zu was sie fähig sind. Sie werden sicher auch eine große Rolle bei der Vergabe der Medaillen spielen.
bike2b: Die langfristige Vorbereitung auf Peking läuft ja schon länger. Wie hat sich dein Trainings- und Wettkampfplan im Gegensatz zu den anderen Jahren verändert?
Nina: Rein methodisch oder inhaltlich hat sich in meinem Trainingsplan nicht viel verändert. Ich trainiere zwar zeitlich mehr, doch mit den gleichen Trainingsmethoden. Da ich aus den Erfahrungen der letzten Jahre sehr gut weiß, auf welche Trainingsreize ich gut reagiere, werden mein Trainier Toni Uecker und ich das ausnutzen. Das Einzige, was ich verändert habe, ist, mehr mit dem Bike im Gelände zu trainieren, um fahrtechnisch noch besser zu werden. Die Wettkämpfe sind durch den Wettkampfplan und die Nominierungsrennen klar definiert. Da ich im Frühjahr vor allem noch viel Grundlagentraining brauche, werde ich genauso wie in den letzten Jahren auch erst Ende März ins Renngeschehen einsteigen.
bike2b: Das letzte Jahr lief nicht so gut für dich. Auch im Trainingslager auf Mallorca hat es dich wieder gesundheitlich erwischt. Wie läuft dein Formaufbau derzeit?
Nina: Nachdem ich mich von dem "Krankenlager" auf Mallorca wieder gut erholt habe, bin ich mit meinem jetzigen Training recht zufrieden. Natürlich hinkt die Form vor allem durch die Grippe auf Mallorca wieder etwas hinterher. Doch wenn das Training nun weiterhin gut läuft und nichts mehr dazwischen kommt, bin ich zuversichtlich.
bike2b: Wie siehst du die Strecke in Peking? Glaubst du, dass sie ein Kriterium bei der Nominierung sein könnte?
Nina: Da ich sie selbst noch nicht getestet habe, kann ich mich nur zu den Berichterstattungen äußern. Da sie ja sehr flach und fahrtechnisch nicht so anspruchsvoll sein soll, bin ich natürlich etwas enttäuscht. Denn für ein olympisches Rennen erwartet man natürlich auch eine entsprechende Strecke. Natürlich ist es nicht ausgeschlossen, dass die Strecke auch in die Nominierung miteinbezogen wird. Denn ein Bergfloh könnte auf einer "Drücker-Autobahn" etwas Probleme haben. Doch meiner Meinung nach, ist ein Fahrer/eine Fahrerin wenn er/sie in Top-Verfassung ist, auf jeder Strecke zu gebrauchen.
bike2b: Welches Ziel hast du dir für die Olympischen Spiele gesetzt, sofern du dabei bist?
Nina: Also wenn ich es wirklich schaffe, bei Olympia dabei zu sein, dann auch richtig :-). Ich denke, wenn ich mich qualifiziert habe, legt das nochmal ein paar Schalter um. Und dann möcht ich auch ein Top-Resultat einfahren. Mein Ziel sind die ersten Acht.
bike2b: Auch abseits des Saisonhöhepunktes hast du dir ehrgeizige Ziele gesetzt, wie auf deiner Homepage zu lesen ist. Was geschieht, wenn du diese nicht erreichst?
Nina: Na ja, eigentlich kann ich mit Niederlagen ja recht gut umgehen und bisher haben mich Misserfolge nicht wirklich aus der Bahn geworfen. In Anbetracht der vergangenen Saison jedoch wäre es natürlich schade, wenn ich auch dieses Jahr meine Ziele nicht erreichen kann. Denn dann hätte ich mehr oder weniger umsonst drei Urlaubssemester genommen (zumindest was den Sport betrifft). Doch wenn ich meine gesteckten Ziele nicht erreiche, ist das auch kein Weltuntergang, denn es gibt ja noch viele andere Bereiche des Lebens die mir Freude bereiten, seien es Familie und Freunde, Studium oder Hobbies.
bike2b: Viele Dank und weiterhin viel Erfolg beim Erreichen deiner Ziele.