Specials Eventspecials 2008 Bundesliga Münsingen

Andy Eyring

Andy Eyring

Tobias Ullmann

Markus Knott

Fulminanter Einstieg in die MTB Bundesliga von Eyring

Team Haibike/Armin Küstenbrück am 16.04.2008 - 09:00 Uhr

Beim Auftakt der Mountainbike-Bundesliga im schwäbischen Münsingen überraschte der erst 19-jährige Münnerstädter Andy Eyring mit zwei zweiten Plätzen - im Sprint und in der U23-Klasse.

Aus Angst Bestzeit gefahren
Damit hatte selbst der sonst durchaus selbstbewusste Nachwuchs-Mountainbiker Andy Eyring vom Team XLC Hai-Bike nicht gerechnet, dass ihm ein so beeindruckender Einstieg in die höchste deutsche Rennklasse gelingen könnte. Doch bereits sein erster Auftritt am späten Samstagnachmittag begann vielversprechend: Beim Zeitfahren auf der verkürzten Runde, Qualifikation für den neu eingeführten Sprint, belegte er überraschend den ersten Platz und ließ dabei so internationale Größen wie den spanischen Europameister José Antonio Hermida hinter sich. "Ich hatte Angst, bei dem sehr stark besetzten Starterfeld aus den Top 30 herauszufliegen", begründete Eyring später, warum er Vollgas über den mit Zuschauern gut besuchten Kurs im Bikepark von Münsingen gejagt war. "Aber zumindest wusste ich dann, dass mehr drin war, als nur mitzufahren." Die Viertel- und Halbfinalläufe, die mit je sechs Startern besetzt waren, von denen sich je zwei für die nächste Runde qualifizierten, konnte Eyring jeweils für sich entscheiden, nachdem er sich in der ersten von zwei kurzen Runden zunächst zurückgehalten, dann aber nach vorne gestürmt war und jeweils als Sieger seines "Heats" ins Ziel kam: "Ich wollte jeweils Erster sein, um im nächsten Lauf die schwächeren Gegner zugelost zu bekommen."

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Sprint kommt gut an - Eyring will weiterhin starten
Und auch im Finale war dem Jungsporn keiner gewachsen - bis auf den ehemaligen U23-Weltmeister Ralph Näf (Schweiz), der im Schlusslauf bereits früh die Entscheidung gesucht hatte. "Ich hatte das Loch zu ihm fast schon wieder zugefahren", meinte Eyring überhaupt nicht enttäuscht nach dem Rennen, das sowohl bei Zuschauern und als auch bei den Sportlern gut angekommen war. "Wir sind beide volles Limit durch die Kurven gefahren, da war keine Gelegenheit zu überholen. Da musste ich mich dann wohl oder übel auf einen Zielsprint einlassen, was ich gerne vermieden hätte." Doch auch da ließ ihm Näf keine Chance, Eyring musste sich nach einem spannenden Rennen mit dem zweiten Platz zufrieden geben - trotzdem strahlte der 19-jährige im Ziel: "Das war ein irrsinniger Erfolg, damit hatte keiner gerechnet, am wenigsten ich selbst." Selbst Bundestrainer Frank Brückner (Dresden), zugleich Heimtrainer des Unterfranken, hatte ihm vor dem Rennen von einem Start abgeraten. "So sollte Mountainbike sein: schnell, kurz und richtig hart, jeder immer 100 Prozent am Limit", zog Eyring ein positives Fazit des ersten Laufs der neuen Rennform. "Deswegen werde ich auch bei den kommenden Bundesliga-Rennen immer auch am Vorabend am Sprint teilnehmen", ist sich der amtierende Deutsche Juniorenmeister sicher, auch wenn er die Vorbelastung auch kritisch sieht: "Gerade als junger Sportler kann man am Samstag schnell sein, aber der Körper erholt sich nicht ganz so gut wie der eines älteren, der schon viele Jahre Grundlagentraining in den Beinen hat."

Gleichmäßigkeit wie ein alter Hase
Deswegen ging Andy Eyring durchaus mit etwas Unbehagen in das Bundesliga-Rennen am Sonntag. Zwar profitierte er als einer der besten deutschen Junioren des vergangenen Jahres von der Regelung, wonach diese unter den Top 30 aufgestellt wurden - ein unschätzbarer Vorteil in einem fast 100 Mann starken Feld, das geschlossen auf den berühmt-berüchtigten Startanstieg zuraste. Aber die Angst, gegen Rennende einzubrechen, weil der Körper doch nicht so gut regeneriert hatte, fuhr doch mit. Dennoch gab Eyring zunächst einmal alles, konnte sich den Hügel hinauf bis auf Rang zehn vorarbeiten und sich dann in der Spitzengruppe einreihen. "Hier konnte ich mich im Windschatten der Spitze auf dem Teerstück gut mitziehen lassen", musste aber eingestehen: "Eigentlich wollte ich das Rennen gar nicht so schnell angehen. Aber wenn Du in dieser Formation drin bist, die so wahnsinnig schnell Rad fahren, dann lässt Du Dich von dieser Geschwindigkeit mitziehen, ohne darüber nachzudenken. Das ist das Gefährliche. Das bereut man hinterher." Denn: "Die können das Tempo über zwei Stunden durchhalten und ich halt noch nicht", ist sich Eyring, einer der jüngsten Fahrer der deutschen Bundesliga seiner Grenzen bewusst. Deswegen ließ er sich am Ende der ersten Runde etwas nach hinten fallen, um sich etwas zu erholen und sein eigenes normales Grundtempo fahren zu können. Mit extrem konstanten Rundenzeiten um 15:40 Minuten spulte der Jungspund das Rennen in einer Gleichmäßigkeit ab wie ein alter Hase.

Spagat zwischen Sprint und Bundesliga geglückt
In der vierten von insgesamt sieben Runden musste er dann aber doch auf das Renngeschehen um ihn herum reagieren: Während der Schweizer Fabian Giger längst einem sicheren Sieg in der U23-Klasse entgegenfuhr, musste Eyring kurzzeitig um einen Treppchenplatz auf dem Nachwuchspodium zittern, als der Schweizer Nicola Rohrbach von hinten aufschloss und an Eyring vorbeizog. Da Felix Euteneuer (Freiburg), wie Eyring im ersten U23-Jahr, zwar auf Schlagdistanz, aber dennoch vor den beiden Verfolgern lag, organisierten sie gemeinsam mit Steffen Thum (Aalen) die Aufholjagd. Bald begannen die taktischen Spielchen, doch Eyring hielt sich noch zurück, ohne allerdings den Kontakt zu seinen Kontrahenten zu verlieren. "Ich wollte meine Kräfte für die letzten Runden sparen", sagte der Fahrer des XLC-Haibike-Teams nach dem Rennen. "Und ich hatte wirklich Zweifel, dass meine Kraft nach dem Sprint am Vortag bis zum Schluss reicht." Gemeinsam kassierten sie dennoch Felix Euteneuer, Rohrbach und Eyring gingen zusammen in die letzte Runde. "Ich hatte keine Kraftreserven mehr, ich musste in der Abfahrt attackieren", beschrieb Eyring die letztlich rennentscheidende Situation: "Ich wusste, dass ich bergab schneller sein kann als Rohrbach. Ich habe alles riskiert - und es hat funktioniert." Knappe zehn Sekunden betrug Eyrings Vorsprung nach der Abfahrt auf Rohrbach, der vom Pech verfolgt kurz vor dem Ziel einen Kettenklemmer hatte und dadurch auch noch Euteneuer an sich vorbeiziehen lassen musste. Am Ende konnte sich Eyring in dem hochklassig besetzten Elite-Feld über den 18. Platz freuen, in der U23-Klasse wurde er - wohlgemerkt in seinem ersten Bundesliga-Rennen - als Zweiter gewertet. "Ein phänomenales Wochenende", jubelte er gemeinsam mit seinem Trainer Frank Brückner über die Ausbeute: "Am meisten hat mich gefreut, dass ich den Spagat zwischen Sprint und Bundesliga so gut geschafft habe." Weil beide Wertungen in die Gesamtwertung der Cross-Country-Bundesliga einfließen, führt er diese nun deutlich an. "Jetzt kann ich den ersten Weltcup am kommenden Wochenende im belgischen Houffalize ganz ruhig auf mich zukommen lassen", strahlte der junge Münnerstädter Selbstvertrauen und Zuversicht aus.

Ullmann wehrt sich erfolgreich gegen Überrundung
Weniger erfolgreich ging es den anderen drei Team-Mitgliedern im Team XLC Haibike. Während Nicole Lechl (Freiburg) wegen Ihres Schleudertraumas, das sie sich bei einem unverschuldeten Autounfall Ende März zugezogen hatte, aufgrund anhaltender Schmerzen weiterhin pausieren musste, starteten Tobias Ullmann (Hilpoltstein) und Neuzugang Markus Knott (Wörth an der Donau) gemeinsam mit Eyring in die Bundesliga. Ullmann konnte sich von Startplatz 58 bis auf Rang 36 vorarbeiten, musste sogar ein Stück weit mit gerissener Kette zum nächsten Materialdepot laufen und konnte sich dennoch erfolgreich gegen eine Überrundung durch den Sieger, den amtierenden Deutschen Meister Wolfram Kurschat wehren. "Die Leistung hat gestimmt, aber der Startplatz und Kettenriss haben mich aus der Bahn geworfen", sagte der Hilpolsteiner nach dem Rennen.

Knott wird aus dem Rennen genommen
Der Startplatz war auch das größte Handicap für den 20-jährigen Niederbayer Markus Knott. In der allerletzten Startreihe aufgestellt, musste er an Engstellen immer wieder warten. Als dann von hinten die Überrundung durch die Spitze drohte, wurde er gemäß Regelement von den Rennkommissären in der vierten von sieben Runden aus dem Rennen genommen und auf dem 53. Platz klassiert, womit der Niederbayer überhaupt nicht glücklich war. "Es ist schon frustierend, so früh aus dem Rennen genommen zu werden", bilanzierte er seinen ersten Auftritt bei einem Bundesliga-Rennen. Dennoch will sich der Neuzugang im XLC-Haibike-Team nicht entmutigen lassen - im Gegenteil: Beim nächsten Bundesliga-Lauf in Heubach (Baden-Württemberg) ebenso wie Eyring bereits beim Sprint antreten, um Punkte zu sammeln.


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