
Rene Tann

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René Tann in Münsingen: Kettenklemmer und kalte Füße
Armin M. Küstenbrück am 17.04.2008 - 10:59 Uhr
Glücklich war René Tann mit dem 16. Platz beim Bundesliga-Auftakt im schwäbischen Münsingen nicht: "Ich darf jetzt nicht den Kopf hängen lassen."
Die Stunde der Wahrheit
Traditionell schlägt beim Auftakt zur Mountainbike-Bundsliga im schwäbischen Münsingen die Stunde der Wahrheit: Hat man über den Winter genug trainiert, stimmt die Form für die folgenden Wochen, in denen die wichtigen Weltcups und damit in diesem Jahr auch die Qualifikation für die Olympischen Spiele anstehen? "Die Spritzigkeit kommt", sagt René Tann - und sieht damit positiv in die Zukunft, auch wenn er mit den Ergebnissen von Münsingen noch nicht zufrieden sein kann.
Ein vielversprechender Anfang
Dabei hatte am Samstagabend alles vielversprechend begonnen, obwohl René Tann vom Team Fuji Bikes Europe im Vorfeld Bedenken hatte, ob die seine Spritzigkeit für den neu eingeführten Sprint auf einer kurzen Runde durch den Münsinger Bikepark reichen würde. "Ich habe den Winter über sehr viel Grundlagen trainiert, das geht zunächst einmal auf Kosten der Geschwindigkeit", weiß der Sportsoldat, der selbst einen Schein als C-Trainer hat. "Zwar habe ich das Training in den vergangenen Tagen schon umgestellt, aber ich war mir nicht sicher, ob meine Muskeln schon diese Dynamik umsetzen, für die ich ja bekannt bin." Deswegen wollte Tann beim einleitenden Zeitfahren zum Sprint, bei dem wie beim Skilanglauf sechs Fahrer antreten und von denen je zwei in die nächste Runde weiterkommen, noch nicht alles riskieren und gab noch nicht Vollgas. "Ich war mir sicher, auch mit dieser Leistung unter die 30 Starter des Viertelfinales zu kommen." Die Rechnung ging auf - und dann ließ er seine körperliche Leistungsfähigkeit, aber auch seinen geschulten Blick für Rennsituationen aufblitzen: "In der ersten der beiden zu fahrenden Runden des Viertelfinales hielt ich mich zurück." Erst dann setzte er sich mit einem kurzen und heftigen Antritt an die Spitze der Sechsergruppe, fuhr binnen weniger Meter einen komfortablen Vorsprung heraus und gewann souverän. Eine ähnliche Strategie hatte er sich dann auch fürs Halbfinale zurecht gelegt, doch ein Kettenklemmer nur wenige Meter nach dem Start machten die Hoffnungen auf einen Platz im Finallauf zunichte: "Ich bin aus den Pedalen gerutscht, zwei Mal habe ich es noch probiert - aber dann musste ich mir eingestehen, dass Weiterfahren unmöglich war und damit das Rennen entschieden war." Dennoch konnte Tann trotz seines Pechs eine positive Erkenntnis ableiten: "Das ist ein Defekt, wie er beim Mountainbiken immer mal wieder passieren kann. Das ist zwar ärgerlich, aber kein Weltuntergang. Wichtiger ist für mich das gute Gefühl, das ich in den Beinen hatte, und dass die Spritzigkeit langsam kommt."
René Tann der Taktiker
Die stellte der Sportler vom 1. Suhler MTB-Club auch am Sonntagnachmittag unter Beweis: Wie man es von René Tann mittlerweile schon gewohnt ist, stürmt er dem international besetzten Feld voran den Starthügel hinauf - und musste sich sogar immer wieder umschauen, um den Vorsprung auf die Verfolger nicht unnötig groß werden zu lassen: "Jeder zusätzliche Meter kostet natürlich viel Kraft." Doch auf dem rutschigen Hang, von den vorhergehenden Rennen aufgeweicht und holprig, war es von Vorteil, seine eigene Linie fahren zu können, nicht absteigen zu müssen oder gar in einen Sturz verwickelt zu werden. Oben angekommen, ließ sich der Sportsoldat aber taktisch klug in die Gruppe hinter ihm zurückfallen, um Kräfte zu sparen und auch den Windschatten der Konkurrenz auszunutzen. Als Siebter passierte der amtierende Deutsche U23-Meister die erste von sieben Zieldurchfahrten, hielt sich dann auf den Plätzen zehn bis 13 mit konstanten Rundenzeiten. "Bis zur Rennmitte ging es mir gut", bilanzierte Tann nach dem Rennen. Doch dann machte sich die Kälte auf der Schwäbischen Alb bemerkbar - und dass Tann in der ersten Rennhälfte zu wenig getrunken hatte. "Zum einen hatte ich den ganzen Tag schon kalte Füße - und das ist im Rennen immer schlimmer geworden. Zum anderen habe ich zu wenig getrunken", sagte der Nationalfahrer nach dem Rennen selbstkritisch. So musste Tann in der letzten Runde auch noch seinen Mannschaftskollegen vom Team Fuji Bikes Europe an sich vorbeiziehen lassen und fiel damit als letztlich 16. sogar aus den Weltranglisten-Punkten heraus. In der Weltrangliste wird Tann derzeit auf Rang 70 geführt.
Tann stellt Training um
"Aber die Batterie war nicht leer", beschreibt Tann seinen Trainingszustand als Folge der langen Einheiten in den Trainingslagern im Winter. Deswegen hat Tann jetzt das Training umgestellt, konzentriert sich mehr auf Geschwindigkeit und Spritzigkeit, benutzt als Sportgerät dazu mehr sein neues Fuji-Mountainbike, ein MB Fuji RC, auch um sich nach den langen Einheiten auf der Straße wieder an die Technik zu gewöhnen. "Nur einmal pro Woche steht zur Zeit eine lange Grundlageneinheit auf dem Programm", schildert Tann sein Training. Sorgen macht dem Thüringer eher das Wetter. Bei Temperaturen nur unweit über dem Gefrierpunkt macht Training draußen nur wenig Freude: "Ich muss schauen, welchen Teil ich auf der Rolle fahren kann und welchen draußen."
Optimistisch in die Zukunft
Optimistisch schaut der Suhler in die Zukunft. "Es wird jetzt von Woche zu Woche besser gehen, das Geschwindigkeitstraining schlägt fühlbar an. Ich brauche deshalb auch nicht den Kopf hängen lassen, sondern muss einfach nur ruhig bleiben und die Pläne meiner Trainer umsetzen."
Kämpfen um die Olympiaqualifikation
Das wird am kommenden Wochenende im belgischen Houffalize auch nötig sein: 273 Sportler aus der ganzen Welt werden dort zum Weltcup-Auftakt um Weltcup- und Weltranglistenpunkte kämpfe, für viele geht es dort um die Olympiaqualifikation. René Tann wird in diesem Jahr von Startplatz 73 auf den traditionsreichste Weltcup-Kurs gehen - knapp 200 Plätze besser als im vergangenen Jahr an gleicher Stelle, als er aus der letzten Reihe starten musste. "Ich werde mir den Start genau anschauen - aber ich weiß, dass es ein schweres und langes Rennen werden wird. Deswegen will ich am Anfang noch nicht so viel Energie verbraten." Um konkrete Platzierungen macht sich der 22-jährige aber noch keine Sorgen: "Mein Ziel ist es, meinen Startplatz für die kommenden Weltcups zu verbessern - und dazu muss ich ohnehin mein Bestes geben."
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