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Siegerehrung Damen: v.l.n.r. Sydor, Spitz, Kalentieva

Sabine Spitz ist WELTMEISTERIN

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Sabine Spitz auf dem Podium

Sabine Spitz bei der Zieleinfahrt

Sabine Spitz siegt bei der WM

Pressekonferenz Lugano

Sabine mit Merida Magnesium Bike

Sabine auf dem Monte Tamaro

Sabine auf dem Monte Tamaro, Start/Ziel der WM Strecke im Tal links

Interview mit Sabine Spitz

bike2b-Redaktion am 08.09.2003 - 21:32 Uhr

Bike2b: Hallo Sabine. Wie fühlt man sich als frischgebackene Weltmeisterin, die einmal mehr MTB-Radsport-Geschichte für den BDR geschrieben hat? Wie waren die letzten 24 Stunden?
Sabine Spitz: Ich habe das ganze eigentlich noch gar nicht so richtig realisiert. Es ist wie ein Traum, einfach Wahnsinn. Man träumt davon, vom Titel, vom Regenbogentrikot und wenn es dann tatsächlich soweit ist, kann man es gar nicht fassen. Erst als ich heute morgen aufgewacht bin und das Jersey noch immer neben meinem Bett lag, wurde es ein Stück mehr Wirklichkeit. Ich bin eigentlich noch gar nicht zur Ruhe gekommen und habe kaum geschlafen. Das Rennen und all das was danach bisher kam, mit Glückwünschen, Interviews usw., das ist einfach unglaublich und sehr bewegend. Ich möchte mich auch an dieser Stelle für die tolle Unterstützung entlang der Strecke bedanken, es ist einfach fantastisch. Nach der WM-Party von Merida gestern Abend ging es heute nach Hause, wo man mich schon erwartet hat. Heute Abend gibt es einen Empfang in meinem Wohnort, morgen in der Stadt meines Vereins (SG Rheinfelden). Es wird also noch ein wenig dauern bis ich mir in Ruhe über das, was geschehen ist, meine Gedanken machen kann.

Bike2b: Wie hast Du die Dramatik in der vorletzten Runde erlebt, in der sich die Entscheidung zugespitzt hat? War es Taktik von Dir, das Rennen nicht schon von Anfang an von vorne rauszufahren?
Sabine Spitz: Ich bin ganz bewusst am Anfang eher etwas defensiv gefahren und wollte unter allen Umständen vermeiden mit der Brechstange nach vorne zu kommen. Ich bin eigentlich mein Tempo gefahren, habe mich aber sehr gut gefühlt ... Auf dem Kurs brauchte man auf jedem Zentimeter 100-prozentige Konzentration. Wenn man leistungsmäßig überzog, ging diese zwangsläufig verloren. Ich hatte stets den Kontakt zur Spitze und so eine optimale Ausgangs-Position. Es war klar, dass es ein langes Rennen wird. In der vorletzten Runde hab ich mir gesagt, dass ich versuchen muss bis zum Ende der Runde die Lücke von etwa 20 Sekunden zur Führenden Alison Sydor zu schließen, um dann in der letzten Runde zu attackieren. Das hat geklappt und im steilen Asphaltanstieg konnte ich Alison dann entfliehen und schnell einen kleinen Vorsprung herausfahren. Ich hatte schon im vorletzten Umgang gesehen, dass ihr Tritt schwerer wurde, was mich zusätzlich motiviert hat. Als ich beim letzten Anstieg nochmals ins Straucheln kam und Alison wieder näherrückte, dachte ich: "Jetzt musst Du noch mal alles geben", habe es aber irgendwie nie als bedrohlich empfunden, dass sie wieder bis auf acht Sekunden herankam.

Bike2b: Glaubst Du, dass der Sieg am Wochenende der Lohn harter Arbeit war oder hast Du diesmal auch vom Pannen-und Sturzpech Deiner größten Konkurrentin profitiert?
Sabine Spitz: Wie ich eingangs sagte, auf diesem Kurs war 100-prozentige Konzentration kombiniert mit der entsprechenden Form und der Beherrschung des Bikes die Voraussetzung für den Erfolg. Wenn du müde oder am Limit bist, wählt man schnell mal eine falsche Spur, übersieht einen Stein oder etwas ähnliches was zum Sturz oder Defekt führen kann. Alison sagte mir z.B., dass Fullana, mit der sie Anfangs in Führung lag, arge Probleme hatte und im Prinzip jeden Stein oder Fels mitgenommen hat. Ihrem Bike tat das natürlich nicht besonders gut. Dass man vor Defekten nie ganz gefeit ist, ist klar. Aber dieses vielbesagte Quäntchen Glück war schon immer die Voraussetzung für den Erfolg.

Bike2b: Wie erklärst Du Dir den sprunghaften Leistungsanstieg zwischen EM und WM? Hat Dich der verkorkste Staffelwettbewerb des deutschen Teams bei der WM zusätzlich angespornt oder warst Du diesmal einfach körperlich in besserer Verfassung als bei der EM?
Sabine Spitz: Bei der EM hatte ich einfach akute Probleme mit dem Magen die vermutlich vom Frühstück oder von falscher Ernährung tags zuvor herrührten. Wie es dort gelaufen wäre, wenn ich diese Probleme nicht gehabt hätte, kann man nicht sagen. Ich hatte mich tags zuvor eigentlich gut gefühlt, hatte aber dann natürlich kein Referenzergebnis. Gut, eine gewisse Unsicherheit war schon da und gewisse 'Schwachstellen' haben wir schon nochmals versucht durch gezieltes Training in den verbliebenen zwei Wochen aufzufangen. Dazu war es vielleicht einfach so, dass diese dreiwöchige Zwangspause im Juli den Formaufbau etwas nach hinten verschoben hat. Jetzt hat es gepasst und ich bin glücklich, dass ich den bei der EM vielleicht noch bestehenden Formrückstand kompensieren konnte. Der Staffelwettbewerb hat mir auf jeden Fall gezeigt, dass ich auf dem richtigen Weg bin, mit der Strecke zurecht komme und ich trotz nicht maximalen Einsatzes eine gute Zeit hatte. Insofern hat es mich natürlich angespornt. Das hatte aber nichts mit dem eher bescheidenen Abschneiden zu tun.

Bike2b: Machst Du ernst mit Deiner Ankündigung, künftig möglicherweise nicht mehr bei Teamwettbewerben
für Deutschland an den Start zu gehen?
Sabine Spitz: Ja, das ist schon möglich. Beim nächsten Mal werde ich auf jeden Fall nur dann fahren, wenn ich das Gefühl habe, dass alle an einem Strang ziehen und den maximalen Erfolg für das und mit dem Team suchen. Dieses Jahr war ich mir nach dem Renen nicht ganz sicher, ob das so gegeben war und hatte mich deshalb schon etwas geärgert.

Bike2b: Was steht bei Dir als nächstes an? Gönnst Du Dir den wohlverdienten Urlaub oder lässt Du die Saison jetzt behutsam ausklingen?
Sabine Spitz: Am nächsten Wochenende gilt es den zweiten Platz im Gesamtweltcup zu verteidigen. Platz eins ist zwar außer Reichweite aber Rang zwei trotz WM-Titel noch ein erstrebenswertes Ziel. Natürlich kann ich da jetzt relativ gelassen ins Rennen gehen, denn selbst wenn ich Dritte werden würde, könnte ich damit gut leben. Anderseits ist das Regenbogentrikot, das ich am nächsten Sonntag erstmals tragen werde, natürlich etwas Besonderes und auch Verpflichtung. Ich versuche deshalb trotz des jetzigen Trubels ein gutes Rennen zu fahren. Danach werde ich sehen. Vermutlich fahre ich zum Ausklang noch das Bundesligafinale in Altenberg. Dort ist mir die Gesamtwertung ja schon sicher. Die deutschen Fans haben ein Anrecht darauf die Weltmeisterin aus dem eigenen Lande am Start zu sehen. Danach mache ich noch ein Bike-Jugendcamp für Nachwuchsrennfahrer (-innen) in Bayern und werde anschließend noch ein paar Tage für 'Club Aldiana' in Portugal aktiv sein, bevor es anschließend in den Urlaub geht.

Bike2b: Vielen Dank für das Interview, Sabine.
Sabine Spitz: Ich danke auch.


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